Den Wunsch gab es schon vor Jahrtausenden im alten Ägypten: Dank Einbalsamierung das ewige Leben erreichen. Den Wunsch gibt es heute immer noch, die Technik ist - mit der Kryonik - inzwischen fortgeschritten. In den USA, Russland und China haben sich bereits einige hundert Menschen einfrieren lassen - mit der Hoffnung auf Wiederauferstehung. Heute wie damals ist die Grundlage dafür aber allein der Glaube, erklärt der Kryoniker Dirk Nemitz.

Überhaupt keine Chance habe, wer sich klassisch begraben oder einäschern lasse, so der Kryoniker Nemitz. Denn danach bleibe vom menschlichen Körper nichts Verwertbares mehr übrig. Deshalb sei die einzige Möglichkeit, uns unmittelbar nach dem Tod konservieren zu lassen.

"Wichtig ist die rasche Kühlung des Kopfes mit Wassereis. Der Patient wird dann in einem wasserdichten Transportsarg zum Balsamierer gebracht."
Dirk Nemitz, Kryoniker

Ausgebildete Balsamierer sind auch in Deutschland in der Lage, das Blut recht früh durch eine spezielle Flüssigkeit zu ersetzen. Die Idee des Einfrierens hat der Vater der Kryonik, Robert Ettinger, erstmals 1965 beschrieben. Die Fachwelt spricht nicht von einem Toten, einer Leiche oder einem Verstorbenen, sondern von einem Patienten. Auch der "Patient" Ettinger hat sich 2011 kryokonservieren lassen.

"Most of us now living have a chance for personal, physical immortality."
Robert Ettinger, Kryoniker

Die Kryonik basiert auf zwei Ideen. Erstens, "die Idee, dass uns immense wissenschaftliche und technologische Fortschritte noch bevorstehen, die Möglichkeiten eröffnen werden, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können", sagt Kryoniker Dirk Nemitz und zweitens, "dass Sterben eigentlich ein Prozess ist, der bestimmte biologische Prozesse benötigt, um ablaufen zu können. Und der bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff nicht weiter ablaufen kann."

Kritiker glauben, dass Organe und Zellen zu stark beschädigt werden

Kritiker des Verfahrens behaupten, dass es auch in Zukunft niemals möglich sein werde, den Auferstehungsprozess erfolgreich durchzuführen. Organe und Zellen würden beim Abkühlen immer unwiederbringlich geschädigt. Nemitz jedoch hält als Argument unter anderem dagegen, dass uns schon heute erwachsene Menschen in Fußgängerzonen begegnen, die als Embryos tief gekühlt gewesen seien - ohne, dass wir etwas davon bemerken.

Dirk Nemitz ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Biostase, DGAB, in Hennef bei Bonn. Der Kryoniker möchte später einmal auferstehen. Er setzt darauf, dass es Medizinern der Zukunft gelingen könnte, Menschen aus einem eingefrorenen Zustand wiederzuerwecken. Nemitz hat am 16.12.2016 an der "Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur" in Bonn über sein Lieblings-Thema gesprochen: "Später weiterleben".