Die AfD verstehe es meisterhaft, die Unzufriedenheit in Ostdeutschland zu bündeln, sagt Ex-AfD-Mitglied Franziska Schreiber. Dadurch könne leicht der Eindruck entstehen, die ganze Region stehe politisch rechts. Dabei gebe es neben Einwanderungs- und Asylpolitik noch ganz andere Themen, die ostdeutsche Wählerinnen und Wähler umtreiben würden.

Im Vorfeld der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen hatte die AfD große Zustimmung in Umfragen erhalten. Es schien, als ob sie stärkste Partei werden könnte. Nach den letzten Umfragen hat sich das Bild etwas gewandelt. Dennoch könnte die AfD zweitstärkste Kraft – in Brandenburg hinter der SPD und in Sachsen hinter der CDU – werden.

Franziska Schreiber, ehemaliges AfD-Mitglied und Youtuberin, ist erst einmal froh, dass die AfD nicht stärkste Kraft werden scheint. Trotzdem mache es ihr Sorgen, dass die AfD so viel Zuspruch hat, sagt die Dresdnerin.

"Ich freue mich wahnsinnig, dass es jetzt so aussieht, dass die AfD nicht stärkste Kraft wird. Das würde dem Osten nicht wirklich gerecht werden. Auf jeden Fall sind die hohe Zustimmungswerte der AfD etwas, was mir Sorgen macht."
Franziska Schreiber, ehemaliges AfD-Mitglied

Die Unzufriedenheit, die im Osten immer wieder zu spüren sei, würde auf die AfD projiziert werden. Die AfD verstehe es gut, die Unzufriedenen einzufangen. Insgesamt erwecke das den Eindruck, der Osten sei rechts, sagt Franziska Schreiber.

Für Franziska Schreiber gibt es wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen Ost und West. Das werde zu wenig thematisiert und nicht offen diskutiert, was für die Menschen in Ostdeutschland ein Problem sei.

"Dass man das mal zugibt, dass in der Zeit der Wende nicht alles toll gelaufen ist, das würde vielen hier im Osten helfen."
Franziska Schreiber, ehemaliges AfD-Mitglied

Laut Umfragen sind den Wählerinnen und Wählern in Sachsen die Themen Umweltschutz und Klimawandel so wichtig wie Einwanderungs- und Asylpolitik. Auf Platz zwei kommt Bildung gefolgt von sozialer Ungerechtigkeit.

"Der Klimawandel ist das Thema, was den Ostdeutschen im Wahlkampf am wichtigsten gewesen ist."
Franziska Schreiber, ehemaliges AfD-Mitglied

In Brandenburg liegen Infrastruktur und Verkehr an erster Stelle bei den Wählerinnen und Wählern. Auf Platz zwei steht die Bildung gefolgt von Umweltschutz und Klimawandel.

Auch wenn die AfD zweitstärkste Kraft in den beiden Bundesländern werden sollte, hält Franziska Schreiber es für unwahrscheinlich, dass eine der anderen Parteien mit der AfD koalieren würde.

"Eine CDU-AfD-Koalition in Sachsen halte ich für vollkommen ausgeschlossen."
Franziska Schreiber, ehemaliges AfD-Mitglied

Es gebe keine Anzeichen dafür, dass irgendeine Partei, die im Wahlkampf kategorisch eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen habe, nach der Wahl mit der AfD koalieren würde. "Da bin ich mir ziemlich sicher, dass die CDU das auf keinen Fall tun wird", sagt Franziska Schreiber.

Für Franziska Schreiber ist die AfD nicht wählbar

Auch wenn es keine Partei gebe, die Franziska Schreiber zu 100 Prozent überzeugt habe, wird sie einer Partei ihre Stimme geben, mit der sie die größte Übereinstimmung hat – und das werde auf keinen Fall die AfD sein. Die Partei hätte sich in den vergangenen Jahren so stark verändert, dass sie für sie nicht mehr wählbar ist. Über ihre Gründe, die AfD zu verlassen, haben wir schon vor einiger Zeit mit ihr gesprochen.