Wenn man Anfang 20 ist und schon immer in einem kleinen Nest gelebt hat, dann wünscht man sich nichts sehnlicher, als da raus zu kommen und in die Stadt zu gehen. Oder? Bei Tim Hartman ist das anders: Er ging, sah, und kam zurück. Er kann sich nichts Besseres als ein Leben im Dorf vorstellen. Darüber bloggt er auch.

Man muss schon ganz schön weit in die Karte zoomen, um Mittelrode zu entdecken. 30 Kilometer südlich von Hannover liegt der Ort und zählt gerade mal 300 Einwohner. Hier ist Tim Hartmann groß geworden. Für die Karriere wollte er mit 20 nach Hamburg, nach gerade mal drei Tagen kam er aber zurück. Die Großstadt ist ihm zu anonym, die Heimat zu wichtig, erzählt er: "Das Thema Großstadt ist komplett durch."

"Das ist total geil wo ich lebe, und ich möchte dort auch bleiben."
Tim Hartmann bloggt über das Landleben

Dorf ist der schönste Ort zum Leben, findet Tim. Und mit der Sichtweise stieß er immer wieder auf Unverständnis. Deshalb startete der heute 25-jährige seinen Blog Dorf statt Stadt. Um das Landleben zu unterstützen und den Leuten zu erzählen, warum es cool ist, auf dem Dorf zu wohnen, macht er außerdem noch einen Podcast.

"Ich glaube, wir sehnen uns alle nach einer festen Gemeinschaft."
Tim Hartmann, DorfstattStadt

Das Landidyll gibt ihm zum Beispiel unglaublich viel, erzählt er: Klar, man könne da weniger feiern, es ist weniger los als in der Stadt, und mal eben in irgendein Café setzen, könne man sich auch nicht. Dafür gebe es den großen Vorteil des Dorflebens, seiner Ansicht nach jedenfalls: Jeder kennt jeden, jeder hilft jedem, es besteht eine feste Gemeinschaft.

"Das Gute ist: Jeder kennt jeden. Das Schlechte ist: Jeder kennt jeden."
Tim Hartmann über das Leben im Dorf

Tim ist sich sicher, dass wir uns alle nach so einer Gemeinschaft sehnen und dass wir alle das brauchen. Und für ihn gibt es das offenbar nicht in der Stadt. 

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Mittlerweile lebt Tim in einem größeren Ort. Die Liebe hat ihn vor einem Jahr dorthin verschlagen. Über seinen Blog hat er seine Freundin kennengelernt. Für sie hat er seinen Heimatort verlassen und wohnt jetzt in einem Dorf, das von einer 8000-Seelen-Stadt eingemeindet wurde. Es ist anonymer dort als in seiner Heimat, erzählt er. Ein bisschen fehlen im die emotionalen Geschichten, die ihn mit den Leuten verbinden. Noch.

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