Frederik und seine Mitstreiter haben die Nase voll von der Stadt: stinkig, eng, laut, teuer. Sie wollen raus aufs Land. Aber ein bisschen urban soll es schon auch sein. Deshalb bauen sie sich einfach ein eigenes Dorf. Wobei: Ganz so einfach ist es dann doch nicht…

Frederik Fischer will ein neues Dorf gründen. Er hat genug vom Großstadtleben in Berlin und will raus aufs Land, in die Natur. Allerdings ist nicht alles an der Stadt schlecht: Was ganz großartig sei, seien die Netzwerke, die er sich da aufgebaut hat, erklärt er.

"Ohne Freunde hilft leider auch das schönste Häuschen im Grünen nichts."
Frederik Fischer, Dorfgründer

Um das Beste beider Welten zu verbinden, sucht er sich nicht einfach ein Häuschen in einem bestehenden Dorf, sondern gründet ein neues. Kein Kuh-Dorf, sondern ein "KoDorf" soll es werden, sagt er: Mit Co-Working und Co-Living. Wichtig ist ihm dabei, dass die Gemeinschaft immer nur eine Option ist, kein Zwang, erklärt Frederik.

Urbanes Leben auf dem Land

Im Prinzip sei das eine Weiterentwicklung von Feriendörfern: eine Ansammlung vieler kleiner Häuser – Frederik stellt sich etwa 50 bis 150 vor -, die einzelnen Eigentümern gehören, aber auch vermietet werden können. Wichtiger Aspekt: Die Häuser, die etwa zwischen 80.000 und 100.000 Euro kosten sollen, sind als Privatbesitz geplant, die Grundstücke aber sollen vergemeinschaftet sein, damit keine Spekulation betrieben werden kann. 

"Ich möchte zwei Sachen verbinden: Das eine ist die Gemeinschaft. Das andere, vom Land aus zu arbeiten."
Frederik Fischer, Dorfgründer

Im Zentrum dieses Dorfes sollen dann Co-Working-Spaces, Veranstaltungsräume und weitere Einrichtungen etabliert werden - also eine Infrastruktur, die es möglich machen soll, ein urbanes Leben auf dem Land zu führen. Viele Leute, so glaubt er, bleiben nämlich wegen der Gemeinschaft und der Arbeit in der Stadt. Diese beiden Punkte will er auf dem Land möglich machen.

Schwierige Grundstückssuche

Als er vor vier Jahren mit der Idee startete, dachte er noch: Es gibt doch so viele Landstriche mit halb leer stehenden Dörfern, da sollte sich was finden lassen. Aber schnell merkte er, dass eine Neugründung mehr Sinn machen würde. Die Grundstückssuche gestaltet sich schwierig, berichtet Frederik. Die Gemeinden haben oft gar keine Grundstücke mehr, die zum Verkauf stehen. Und sie sind skeptisch gegenüber den Co-Konzepten, so dass noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

KoDörfer als Labor für das neue Leben auf dem Land

Für das neue Dorf haben Frederik und seine Mitstreiter schon einige hundert Interessenten. Derzeit haben sie Gruppen gebildet, die einzelne Landstriche durchforsten, um Bauland zu finden. Noch sind sie auf der Suche. Wenn das erste KoDorf aber mal etabliert ist, so hofft er, kommen  noch weitere hinzu, so dass eine Art Netzwerk entsteht. Das könnte dann wie eine Art Laboratorium funktionieren, glaubt er, um bestimmte Aspekte auszuprobieren: etwa Landwirtschaft, Logistik oder kreative Schwerpunkte. Das KoDorf könnte so vielleicht Antworten liefern auf offene Fragen, die sich aus dem Leben auf dem Land ergeben und den Herausforderungen, vor denen ländliche Regionen stehen.

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