In Deutschland findet seit einigen Jahren ein Kampf um Lehrerinnen und Lehrer statt – manche Bundesländer haben sogar eigene Kampagnen. 

In Deutschland herrscht Lehrermangel: Laut der Vorsitzenden der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, bleiben allein für den Rest dieses Schuljahres (2019) tausende Stellen unbesetzt. Am stärksten betroffen seien die Grund-, Förder-, und Berufsschulen. 

Für kommendes Jahr sollen in ganz Deutschland rund 3.600 Stellen fehlen – erst ab 2023 kann wieder mit einem Lehrerüberschuss gerechnet werden. Das besagen zumindest statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz, in der alle Kultusministerien Deutschlands vertreten sind.

Bundesländer machen eigene Kampagnen

Da Schulangelegenheiten Ländersache sind, kämpfen nun auch die einzelnen Bundesländer um Lehrerinnen und Lehrer. #weltenretter heißt zum Beispiel die Kampagne von Sachsen-Anhalt, die das Bundesland 2019 starten will. Unter dem Slogan "Ich rette jeden Tag ein Stückchen Welt als Lehrer in Sachsen Anhalt" sollen neue Lehrerinnen und Lehrer angelockt werden.

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Oder Baden-Württemberg: Das Land hat im November 2018 mit #lieberlehramt versucht, vor allem junge Menschen für das Lehramtsstudium zu begeistern. Und die Clips liefen sogar in den Kinos.

"Teilweise sind das ganz hippe Sachen. Aber auch teilweise so junge Möchtegern-Sprüche. Ich weiß nicht, wie gut die bei der Zielgruppe angekommen sind."
Luisa Filip Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Auch Nordrhein-Westfalen hatte vergangenes Jahr eine Kampagne unter dem Mottos "Schlau machen – Lehrer werden". Da wurden zum Beispiel Postkarten verteilt mit Sprüchen wie "Ein Leben als Influencer? Kannste haben!" oder "Job mit Pultstatus! Gönn dir!". Und es liefen Videos und Bilder auf Facebook, Instagram und YouTube.

Für die Kampagne in Sachsen-Anhalt sollen rund 200.000 Euro investiert werden. Bei einer Kampagne, die gerade in Thüringen läuft, sind 600.000 Euro eingeplant. Und für eine Kampagne, die 2014 lief, hatte Mecklenburg-Vorpommern eine Millionen investiert. Ob die Kampagnen etwas bringen, weiß man allerdings noch nicht – es ist auch schwierig so etwas zu messen.

"Da die meisten Kampagnen noch sehr frisch sind, kann man noch nicht genau sagen, ob jetzt durch so Postkarten oder Videos wirklich die Zahl der Lehramtsstudenten gestiegen sind."
Luisa Filip Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Berlin wollte Hessen Lehrer ausspannen

Manchmal werden in dem Gerangel um Lehrerinnen und Lehrer auch die Ellenbogen ausgefahren: Berlin hatte zum Beispiel 2017 Plakate in Bahnhöfen in Hessen aufhängen lassen, frei nach dem Motto: Einsteigen, hier geht’s nach Berlin. Werdet da mal Lehrer für unsere Kinder. Auch Sachsen hatte in Bayern versucht, arbeitslose Lehrerinnen und Lehrer mit mehr Gehalt zu locken – diese Aktion war allerdings zwischen den Ländern abgesprochen. 

Bei der Aktion von Berlin in Hessen war das nicht der Fall. Berlin hat daher Ärger bekommen, denn die Kultusministerkonferenz hatte sich eigentlich auf einen Fairen Wettbewerb geeinigt.

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