Nicht nur Schüler freuen sich auf Sommerferien, auch Lehrer sind froh - bis auf Ulrike Probst. Mit Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg ist sie arbeitslos. Ulrike war zehn Monate als Vertretungslehrerin in Freiburg angestellt. Sie ist eine von 3300 Vertretungslehrern in Baden-Württemberg, die jetzt ohne Job dastehen. Damit spart das Land 12,5 Millionen Euro.

Ulrike Probst ist 31 und hat ein Schuljahr lang als Klassenlehrerin einer Vorbereitungsklasse in Freiburg gearbeitet. Das ist eine besondere Herausforderung, weil alle Schüler erst einmal Deutsch lernen müssen, aber Ulrike sagt, die Aufgabe habe ihr Spaß gemacht.

Sparmodell Vertretungslehrer

Mit ihrem Arbeitszeugnis hat sie noch mal die Erinnerung erhalten, dass ihr Arbeitsverhältnis mit Beginn der Sommerferien endet. Ulrike Probst hatte ihr Studium mit einem super Examen in Latein, Griechisch, Geschichte und Spanisch beendet. Trotzdem hat sie nun Schwierigkeiten, eine unbefristete Festanstellung zu finden. Vermutlich ist die Fächerkombination Teil von Ulrikes Problem. Landesweit hat sie sich beworben und am Ende nur die befristete Vertretungsstelle bekommen.

"Heute ist so ein Tag, wo mich das einfach ärgert."
Ulrike Probst ist mit Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg arbeitslos

Weil Ulrike nur zehn Monate angestellt war und nicht zwölf - eine der Bedingungen für Arbeitslosengeld 1 -, bekommt sie die Unterstützung nicht. Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 hat Ulrike ebenfalls nicht, weil sie noch zu viel Erspartes hat. Ob sie nach den Sommerferien wieder angestellt wird, ist ungewiss. Deshalb fängt Ulrike jetzt auch an, sich nach anderen Jobs umzusehen. 

"Ich weiß tatsächlich gar nicht, wie es weitergeht."
Ulrike Probst blickt einer ungewissen Zukunft entgegen

Außer in Baden-Württemberg, das Land spart so 12,5 Millionen Euro, stellen auch Bayern, Niedersachsen oder Hamburg nach der Hire-and-Fire-Methode Lehrer an. Rheinland-Pfalz hat dagegen entschieden, dass die befristeten Lehrer ab 2019 zumindest noch bis zum Ende der Sommerferien Gehalt beziehen. Das kleine Bundesland hofft so, mehr Lehrer anzulocken. In Nordrhein-Westfalen werden die Sommerferien bereits schon mit in die Vertragslaufzeit eingerechnet.

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Ungewisse Zukunftsperspektiven

Ulrike denkt deshalb auch darüber nach, sich eventuell in einem ganz anderen Bereich wie zum Beispiel bei einem Schulbuchverlag zu bewerben. So wie Ulrike geht es rund 5000 Lehrern in ganz Deutschland. 2017 haben sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 4900 Lehrer arbeitslos gemeldet.


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