"Guten Morgen, Kinder. Ich bin euer Lehrer - ähm, euer..." So ähnlich könnte es bald in Berliner Klassen heißen. Denn in Berlin werden erstmals Menschen als Lehrer ohne volle Lehrbefähigung eingestellt. Sie haben das Fach, das sie unterrichten, gar nicht studiert.

Lehrermangel überall. Auch in Berlin. Kurz vor Schulstart hat es unter Bildungssenatorin Sandra Scheeres noch eine große Initiative gegeben, die notwendigen Stellen unter anderem mit einem neuen Typ Quereinsteiger zu besetzen. Streng genommen sind 900 der 2700 neuen Berliner Lehrkräfte keine Lehrer im klassischen Sinn.

Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung

Ihnen fehlt die volle Lehrbefähigung, didaktisch als auch vom Fachstudium, so Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). 

"Jeder dritte neu eingestellte Lehrer in Berlin hat keine volle Lehrbefähigung und wird sie nach aktueller Rechtslage auch nicht bekommen."
Tom Erdmann, Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die neu eingestellten Lehrer in Berlin lassen sich im Prinzip in drei Gruppen einteilen. Zum einen sind das die "echten" Lehrer. Also all jene mit Staatsexamen in zwei Studienfächern und Referendariat. Dann gibt es die klassischen Quereinsteiger. Das sind die, die mindestens ein reguläres Schulfach studiert haben. Und dann gibt es die sogenannten LovLs - also "Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung".

"Das sind Menschen, die haben irgendeinen Hochschulabschluss - beispielsweise einen Bachelor in Archäologie. Sie werden in irgendeinem Fach eingesetzt. Sie haben allerdings keine Chance, vollwertige Lehrkräfte zu sein."
Tom Erdmann, Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Hier gibt es einiges was die LovLs vom klassischen Quereinsteiger unterscheidet. All jene, die ihr studiertes Fach unterrichten, absolvieren noch nachträglich ein Referendariat. Danach sind sie dann vollwertige Lehrer. Das heißt auch, das tariflich vereinbarte Gehalt von 5300 Euro für Berliner Lehrer zu erhalten. LovL haben aktuell keine Möglichkeit, sich in diese Richtung weiterzubilden und bleiben 15 Jahre in der untersten Gehaltsstufe bei 2700 Euro Brutto.

Crash-Kurs und Nachstudieren

Bei der Einstufung, wer Quereinsteiger wird und bei wem es nur zum LovL reicht, lohnt ein genauer Blick ins Studienfach. Bei Quereinsteigern kommt es zumeist aufs Studium an und nicht auf außeruniversitäre Ausbildungen. So wie bei Christoph aus Berlin: "Ich habe ein Literaturwissenschafts- und Philosophiestudium, das deckt sich mit den Fächern Deutsch und Ethik."

Bei LovLs zählen allerdings auch Qualifikationen außerhalb des absolvierten Studiums. Hier kann beispielsweise eine Fortbildung für Deutsch als Fremdsprache genügen.

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Attraktiver klingen die Rahmenbedingungen für klassische Quereinsteiger. Diejenigen, denen ein zweites Unterrichtsfach zur vollen Lehrbefähigung fehlt, sind neben dem Unterrichten bereit, das zweite Fach zu studieren. Für sie wurden konkrete Programme entwickelt, wie das begleitend umgesetzt werden kann. 

Auf den Schulalltag in Berlin werden Quereinsteiger und LovLs mit einer Art Crash-Kurs vorbereitet. In sieben Tagen ziehen sie sich die Grundlagen in Pädagogik, Didaktik, Schulrecht und die Must-Haves im Schulalltag rein.

Mehr nachqualifizieren - fordert die GEW

Für die LovLs fehlt im Moment noch ein geeignetes Weiterbildungskonzept. Dass dies schnell umgesetzt werde, darauf drängt nun die Berliner GEW. Zum einen fehlten für die neu eingestellten Lehrkräfte Vorbereitungskurse, um fürs Unterrichten gewappnet zum sein, zum anderen die beruflichen Perspektiven.

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