Es ist eine vertrackte Vater-Sohn-Beziehung, die Michele Serra in seinem Roman "Die Liegenden" beschreibt. Der Vater hat Erwartungen, die der Sohn nicht erfüllt. Aber plötzlich bricht der Sohn aus den alten Riten aus. "Die Liegenden" ist das perfekte Buch für den Moment, wenn dein Vater dich plötzlich "Großer" nennt.

Der italienische Schriftsteller Michele Serra beschreibt eine Vater-Sohn-Beziehung, wie es viele gibt. Der Vater ist bemüht, alles anders zu machen als der eigene Vater und versteht nicht, warum die Beziehung zu seinem Sohn trotzdem so schwierig und ein gutes Gespräch nicht möglich ist.

"Hätte er ihn anders erziehen sollen? Hätte er ihn erziehen sollen, wie sein Vater ihn erzogen hat und wie sein Großvater seinen Vater, und so weiter und so fort?"
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Buchrezensentin

Dabei würde der Vater dem Sohn gerne seine Welt zeigen oder zumindest das, was er liebt: Raus ins Gebirge, Gipfel wie den Colle della Nasca erglimmen – so wie sein Vater das damals mit ihm gemacht hat. 

Ablehnung und Desinteresse

Doch für all das interessiert sich der Sohn nicht, der in einem Messie-Chaos nur vorm Laptop hängt und die Ohren mit Kopfhörern verstöpselt hat.

"Er könnte seinen Sohn vertreiben, indem er was von Arsch-hoch-bekommen und Zimmer-aufräumen faselt. Er könnte den Jungen rausschmeißen, schließlich ist er alt genug, um auf eigenen Beinen zu stehen. Er könnte ihm ein Ultimatum stellen."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Buchrezensentin

Der Vater denkt über Maßnahmen nach, über Zwang, um den Sohn aus seiner Lethargie herauszuholen. Aber er weiß, dass das alles nichts bringt – weil der Sohn nicht will. Der Vater resigniert.

"Sein Sohn. Körperlich da. Und dennoch abwesend. Der Vater würde sich gern zu ihm setzen. Aber dann müsste er damit leben, dass ihn der Sohn absichtlich ignoriert."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Buchrezensentin

Doch eines Tages steht der Sohn vor dem Vater und sagt: "Bring mich an diesen verdammten Ort."

"Die Liegenden" von Michele Serra, aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt von Julika Brandestini, 2013 erschienen bei Diogenes, 150 Seiten.

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