In Südafrika sind Löwen vom Aussterben bedroht. Auf rund 200 Farmen werden sie deshalb gezielt gezüchtet. Zum Streicheln, zum Jagen und um ihre Körper zu verwerten.

Laut einem Bericht der internationalen Tierschutzorganisation International Fund for Animal Walfare (IFAW) gibt es in Südafrika bis zu 200 Zuchtfarmen, in denen insgesamt 6000 bis 8000 Löwen leben. In der freien Wildnis der südafrikanischen Savanne hingegen gibt es nur noch rund 2000 bis 3000 Exemplare. Auf den ersten Blick scheinen diese Zuchtfarmen deshalb eine gute Sache zu sein. Aber die südafrikanische Löwenzucht hat ziemliche Abgründe, berichtet der Biologe Mario Ludwig.

"Fast alle der rund 800 Löwen, die in Südafrika Jahr für Jahr erlegt werden, stammen laut einer Untersuchung der 'Professional Hunters Association of South Africa' aus Zuchtfarmen."
Mario Ludwig, Biologe

Den Löwenbabys auf den Zuchtfarmen geht es schon von Geburt an schlecht, berichtet der Tierexperte. Oft werden sie schon nach wenigen Tagen von ihren Müttern getrennt. Wegen der fehlende Muttermilch kommt es dann zu Mangelerscheinungen wie Knochendeformationen, Verdauungs- und Schilddrüsenproblemen. Aber auch seelisch belastet das Aufwachsen auf den Farmen die jungen Tiere.

"Der ständige Kontakt mit Menschen und das ständige Streicheln der jungen Tieren führt zu massiven Verhaltensstörungen."
Tierexperte Mario Ludwig

Durch die Trennung von ihren Babys können die Löwenmütter schnell wieder gedeckt werden. Alle sechs Monate kommen so neue Löwenwelpen zur Welt. Die Löwinnen "werden als regelrechte Gebärmaschinen missbraucht", so Mario Ludwig. Nach wenigen Jahren sind sie dadurch völlig ausgelaugt und sterben oft frühzeitig. In freier Wildbahn würden sie nur alle zwei Jahre Nachwuchs bekommen.

Löwen aus Zuchtfarmen nicht für Arterhalt gedacht

Die Farmbetreiber behaupten oft, dass die Löwen, sobald sie dem Babyalter entwachsen sind, in die freie Wildbahn entlassen werden. Das stimmt so nicht immer, weiß unser Tierexperte: "Die Jungtiere werden in den allermeisten Fällen an sogenannte Jagdfarmen verkauft, wo Jagdtouristen aus aller Welt sie dann gegen Bezahlung, entweder mit dem Gewehr oder mit Pfeil und Bogen, erlegen können."

Gatterjagd für die Touristen

Bei der sogenannten Gatterjagd wird ein halbzahmer Löwe in einem eingezäunten Gebiet ausgesetzt. "Vor der Jagd werden die Löwen oft eine Woche lang nicht gefüttert", so Tierexperte Mario Ludwig. Wenn sich diesen Tieren dann ein Jäger in einem Geländefahrzeug nähert, laufen sie noch nicht mal weg, weil sie irrtümlicherweise annehmen, es gibt etwas zu fressen.

"Handaufgezogene Löwen können gar nicht mehr erfolgreich ausgewildert werden. Sie würden in der Wildnis nicht überleben."
Tierexperte Mario Ludwig

Insgesamt leben in Südafrika laut IFAW 6000 bis 8000 Löwen in Gefangenschaft auf Streichel- oder Jagdfarmen. Das Ganze ist ein lukratives Geschäft, erklärt Mario Ludwig: "Für den Abschuss eines männlichen Löwen zahlen Jagdtouristen rund 18.000 Euro. Eine Löwin ist dagegen, dank fehlender Mähne, bereits für 3000 bis 5000 Euro zu haben."

Streicheln und Jagen sind aber nicht die einzigen Einnahmequellen durch Löwen. Die Besitzer der Jagdfarmen verwerten das gesamte Tier: Die Löwenknochen und andere Körperteile - wie etwa Penisse - werden nach China verkauft, wo sie eine wichtige Rolle in der traditionellen chinesischen Medizin spielen.

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