Eigentlich haben Kühe echte Power-Mägen und sind Verdauungsprofis. Doch wenn sie zu viel Abfall, Plastik und Metall fressen, bekommen sie ernsthafte gesundheitliche Probleme. Der Magenmagnet hilft ihnen zumindest bei Metallteilen.

Kühe sind wahre Fressmaschinen. Sie stopfen riesige Mengen an Heu in sich hinein, jeden Tag brauchen sie circa 40 Kilogramm Futter, kauen neun Stunden darauf rum und verdauen die Leckereien dann nach und nach in ihren vier Mägen. Und da gehen die Probleme los: Denn Kühe sind nicht besonders wählerisch. Im Gegensatz zu Schafen oder Ziegen fressen Rinder nicht selektiv. Sie spucken zufällig aufgenommene Fremdkörper wie Nägel, Schrauben, Drahtstücke, aber auch Plastikfetzen, nicht aus.

Gefressener Müll kann tödlich sein

Auf unseren Wiesen, Feldern und Weiden liegt Müll. Der wird da hingeworfen oder vom Wind hingeweht und landet schließlich in den großen Heuballen für die Kühe. Die Heuballen und der Müll darin werden zerhäckselt und landen schließlich zerfetzt und nahezu unsichtbar im Viehfutter.

"Diese Aufnahme von Fremdkörpern kann für die Tiere lebensgefährliche Verletzungen mit sich bringen", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Denn spitze Gegenstände können nicht nur die Magenwand verletzen, sondern auch angrenzende Organe beschädigen.

"Die Fremdkörper sind meistens von Bakterien besiedelt. Das führt dann oft zu Entzündungen und Abszessen."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte, über Müll im Kuhmagen

Wenn die Kuh Metallteile in einem ihrer vier Mägen hat, kann der Landwirt ihr aber helfen: mit dem Magenmagnet. Und das ist tatsächlich ein Magnet, der der Kuh in den Magen eingesetzt wird, und der dort Metalle anzieht. Die Magneten werden schon seit vielen Jahrzehnten genutzt. "Die hatten jedoch den Nachteil, dass sie oft so viele kleine längliche Metallteile angezogen hatten, dass sie aussahen wie ein kleiner Igel", sagt Mario Ludwig. Dieser Metalligel konnte dann wieder hässliche Verletzungen an Magenwand verursachen.

"Fressunlust, Verdauungsstörungen, Zähneknirschen oder Fieber - oft haben die betroffenen Kühe auch eine verminderte Milchleistung."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte, über die Folgen von Müll im Kuhmagen

In den 60er Jahren hat dann die Tierärztliche Hochschule Hannover den sogenannten Käfigmagneten entwickelt. Eine 15 Zentimeter mal 3 Zentimeter lange magnetische Metallstange ist in diesem Fall dann von einer Plastikhülle mit Öffnungen umgeben - dem Käfig. Wenn die Metallteile durch die Öffnungen ins Innere der Plastikhülle gezogen werden, können sie im Kuhmagen keinen Schaden mehr anrichten.

"Viele Bauern verabreichen schon ihren Jungrindern einen Käfigmagneten, der dann auch idealerweise ein Leben lang in der Kuh bleibt", sagt Tierexperte Mario Ludwig. Den Job übernimmt meistens ein Tierarzt, der der Kuh den Magneten über den Schlund verabreicht - und den die Kuh auch problemlos schlucken kann. So sind Kühe vor Metallteilen im Magen gut geschützt.

Keine Rettung bei Plastikteilen im Magen

Bleibt das Problem mit den geschluckten Plastikteilen. Die einzige Möglichkeit, das Plastik aus dem Magen herauszubekommen, ist eine Operation. Die kostet mehrere hundert Euro - zu teuer für wirtschaftlich arbeitende Landwirte. Antibiotika helfen meistens auch nicht mehr und werden von Behörden und den Verbrauchern nicht gerne gesehen, erklärt Mario Ludwig: "Deshalb werden betroffene Kühe meist eingeschläfert, um sie von ihren Leiden zu erlösen."

Mehr über Kühe: