Maja Böhler ist Hebamme – und sie hat ein Buch darüber geschrieben. Trotz all der Probleme und dem Druck, der in der Geburtshilfe herrscht, versucht sie dennoch, einen "offenen Blick" für jede Schwangere zu bewahren.

An die erste Geburt, die sie als Hebamme in der Ausbildung betreuen durfte, erinnert sich Maja Böhler noch genau: Es war eine sogenannte "Glückshaubengeburt", sagt sie – das heißt, das Baby kommt in einer intakten Fruchtblase auf die Welt. "Die Fruchtblase wölbt schon so aus der Vulva der Frau heraus, wie ein Ballon, ganz prall gespannt." Maja Böhler war sehr neugierig und ist ganz nah dran gegangen. Was dann passierte, können wir uns denken – die Fruchtblase ist geplatzt: "Wie ein begossener Pudel stand ich da." Die ausbildende Hebamme hat wohl geschrien vor lachen. "Jetzt bist du getauft als Hebamme", habe sie ihr gesagt.

Für die Frauen da sein

Diese Anekdote erzählt Maja Böhler gern, weil sie zeigt: Zimperlich darf man als Hebamme nicht sein. Vor Körperflüssigkeiten jeglicher Art verliert man recht schnell den Ekel. Schließlich gehe es darum, den Frauen beizustehen, einfühlsam zu sein und für jede einen offenen Blick zu haben, meint Maja Böhler.

"Die Ekelgrenze verschiebt sich."
Maja Böhler, Hebamme und Autorin
Hebamme befühlt einen Bauch
© Karolina Krausser
Unsere Gesprächspartnerin bei der Arbeit – Maja Böhler ist nicht ihr richtiger Name.

Maja Böhler ist ein Pseudonym – ein Alias für die Hebamme, die seit vielen Jahren selbstständig in ihrem Beruf arbeitet. Unter anderem schreibt sie auch als Kolumnistin für das SZ-Magazin. Jetzt folgt ein Buch, es heißt "Die Wehenschreiberin: Geschichten aus dem Kreißsaal".

"Du musst das schaffen"

Von diesen Kreißsaal-Geschichten hat Maja Böhler natürlich viele parat. Eine Sache, über die sie sich immer wieder wundert: Warum nur meinen manche Frauen, dass sie bei der Geburt ganz stark sein müssen? "Du musst das schaffen", denken wohl viele Gebärende – und zwar ohne Medikamente. Dabei wurde die Medizin doch erfunden, um den Frauen zu helfen, denkt Maja Böhler. Manchmal gehe es nicht ohne Schmerzmittel – und das sei keine Schande. Wir sollten entspannter damit umgehen, findet sie.

"Manchmal ist Schmerzen ertragen nicht nur eine Frage des Willens."
Maja Böhler, Hebamme und Autorin

Babyboom und Klinikschließungen

Jahrzehntelang war der Beruf der Hebamme keiner, der ständig in den Medien auftauchte. Das ist aber in den letzten Jahren anders geworden, durch den Hebammenmangel, durch Proteste seitens der Hebammen, weil sie für eine bessere Bezahlung kämpfen und durch Kreißsaalschließungen, über die immer wieder berichtet wird.

Eben weil es nicht genügend Hebammen und Geburtspfleger in Deutschland gibt, machen kleinere Kliniken mancherorts ihre Kreißsäle dicht. Die Geburtshilfe ist nämlich aufwendig: Es muss immer für jeden Fall vorgesorgt sein, sagt Maja Böhler – auch wenn es vielleicht mal 24 Stunden lang keine Geburt gibt. Darum geht der Trend auch zu größeren Geburtszentren. Das ist zwar kostengünstiger, dafür müssen manche Frauen dann aber weitere Wege auf sich nehmen.

"Wir müssen ständig alles bereithalten – für jeden Fall: Wenn nachts um Drei an Heiligabend ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, dann brauchen wir ein riesen Team dafür."
Maja Böhler, Hebamme und Autorin

Männer sind eine wichtige Stütze

Übrigens: Die werdenden Väter sind bei der Geburt eine immer bessere Stütze für die Frauen – das findet Maja Böhler toll. Klar, es gebe auch den abwesenden Geschäftsmann, der lieber seinen Conference-Call durchführen würde, als live bei der Geburt dabei zu sein. "Die Mehrheit ist aber voller Eifer dabei", sagt sie. Da habe sich ein großer Wandel vollzogen in den letzten Jahren. Am meisten würden die Männer schon allein durch ihre Anwesenheit helfen, nur weil sie dabei sind und die Frau nicht alleine ist.

Aus Verzweiflung Geld angeboten

Wenn Maja Böhler sieht, wie verzweifelt manch Schwangere eine Hebamme sucht, dann macht sie das schon traurig, sagt sie. In der Großstadt, in der sie arbeitet, herrscht ein Hebammen-Mangel. Es sei schon vorgekommen, dass ihr Paare aus Verzweiflung Geld angeboten hätten. Das lehnt sie natürlich ab und erklärt: Genau aus diesem Grund ist sie als freie Hebamme auch an eine fixe Gebührenordnung gebunden. "Ich kann nicht meinen eigenen Satz machen – und das ist auch richtig so", meint sie. Ebenso richtig sei es, dass die Krankenkasse die Hebammen-Kosten für jeden übernimmt.

"Gesundheit ist ein Grundrecht – und muss es auch sein. Es soll nicht nur der eine Hebammenbetreuung bekommen können, der es sich leisten kann."
Maja Böhler, Hebamme und Autorin

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