Dieses Jahr ist es wirklich voller als voll: Doppelt so viele Touristen wie Einwohner tummeln sich auf Mallorca. "Scheißegal, Malle ist nur einmal im Jahr", sagen die einen. Andere meinen: Das Ökosystem der Insel hält das nicht aus.

Ein Meer aus Sonnenschirmen und Strandliegen an der Südküste - die klassischen Touristenhochburgen sind in der Hochsaison im Juli und August voll belegt. Viel mehr geht nicht: Doppelt so viele Touristen wie Einwohner bevölkern dieses Jahr die Insel. An den überfüllten Stränden fühlen sich die ersten schon nicht mehr wohl. Die meisten Touristen und Einheimischen arrangieren sich aber damit, berichtet Korrespondent Oliver Neuroth. Es seien ja nur zehn Wochen im Jahr, geben sich die meisten Mallorquiner geduldig.

Hauptsache Sonne

Strengere Regeln für Touristen gibt es ohnehin. Strafen für Lärmbelästigung oder Eimer-Saufen. Auf bis zu 3.000 Euro wurden die Bußgelder für solche Vergehen erhöht. Seit dem 1. Juli gibt es zudem eine neue Tourismussteuer. Reicht das? Beim Super-Andrang dieses Jahr schließt der Tourismusminister der Balearen Biel Barceló nicht aus, die Zahl der Touristenzu begrenzen. Damit die Infrastruktur und das Ökosystem der Inseln nicht zusammenbrechen - und damit das Urlaubsgefühl weiterhin bleibt.

"Hier trifft Vernunft auf wirtschaftliche Interessen: Die Hotels sagen, wir müssen das Geschäft mitnehmen. Auch für die Jobs auf der Insel. Umweltschützer weisen immer wieder daraufhin, dass die Insel ihre Leistungsgrenze erreicht, sogar überschritten hat."
Oliver Neuroth

Auf dem Flughafen von Palma starten und landen Flugzeuge mittlerweile im Minutentakt, auf den Autobahnen gibt es Staus. Auch wegen der vielen Mietwagen. Dennoch scheut sich die Regierung eine Obergrenze einzuführen. Zu divers ist die Interessenslage.

Das Wasser wird knapp

Besonders problematisch ist im Moment die Wasserversorgung. Da es in den vergangenen Wochen und Monaten kaum geregnet hat, sind die beiden großen Stauseen auf einen minimalen Wasserstand abgesunken. Nothilfe leisten Meerwasserentsalzungsanlagen. Die Touristenhochburgen sind dadurch versorgt. "Nicht aber," erklärt Oliver Neuroth, "die Orte im Gebirge in Mallorcas Norden". Sie sind nicht an das Wassernetz angeschlossen. Hierhin muss das Wasser aufwändig transportiert werden. Abhilfe würde erst ein neues Wassernetz schaffen, das könnte durch die neue Tourismussteuer mitfinanziert werden.

Alles schlimm auf Mallorca? Oliver Neuroth, der gerade erst dort war, sagt, soweit ist es noch nicht: "Es ist eine Wahnsinnsinsel. Der Norden ist toll, nur den Süden würde ich gerade eher meiden."