Bei nachhaltigem Konsum geht es nicht immer um "ganz oder gar nicht". Das hat Bloggerin Marie Nasemann für sich herausgefunden. Seitdem praktiziert sie Nachhaltigkeit glücklicher.

"Wie kann ich möglichst nachhaltig leben?“ - Mit dieser Frage hat sich Marie Nasemann (32) intensiv beschäftigt. Die Erkenntnisse, die sie daraus gewonnen hat, teilt sie in ihrem Blog Fairknallt und seit Neustem in ihrem gleichnamigen Buch. Bevor es aber so weit kommen konnte, musste sie ihr eigenes Einkaufsverhalten hinterfragen und umkrempeln.

2009 kam sie in der Show "Germany's next Topmodel" das erste Mal an die Öffentlichkeit. Ein ungewöhnlicher Start für eine bekennende Feministin. Denn die Sendung wird immer wieder für ihre Darstellung der häufig sehr jungen Kandidatinnen kritisiert. Marie selbst hat ihre Anfänge im Modelbusiness aber nicht als negativ empfunden. Im Gegenteil. Als eine der wenigen Branchen, in denen Frauen mehr verdienen als Männer, empfand sie die Arbeit als Model als "empowering".

Zurecht kriege ich manchmal zu hören: 'Du kommst doch eigentlich aus einem total frauenverachtenden Format'. Aber ich habe es ehrlich gesagt nie so erlebt.
Marie Nasemann, Bloggerin

Zu ihrem früheren Lebensstil gehörte auch der exzessive Konsum von Fast-Fashion. Also Kleidung, die sich an Trends orientiert und zu niedrigen Preisen produziert wird. Das änderte sich mit einem einschneidenden Ereignis. 2013 stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein. Eine Fabrik, in der genau solche Mode produziert wurde. Marie stellte daraufhin ihr Shopping-Verhalten komplett um.

Wie nachhaltig ist Nachhaltig?

Fair und umweltschonend produzierte Kleidung musste her. Nur wo anfangen? Und woran erkennt man, dass eine Marke wirklich nachhaltig ist? Nicht jede Marke, die sich als fair und nachhaltig präsentiert, ist es auch. Tatsächlich müsse man bei Kleidung oft selbst recherchieren, unter welchen Bedingungen Unternehmen Kleidung produzieren lassen. Hierbei ist weniger das "Wo" entscheidend, sondern das "Wie".

"Es ist definitiv so, dass es in Bangladesch und in China Firmen gibt, die fair produzieren. Es gibt auf der anderen Seite aber auch in Italien Sweatshops, wo Gastarbeiter*innen eingeflogen werden, die zu einem Hungerlohn irgendwelche T-Shirts zusammennähen."
Marie Nasemann

Bei dem Ziel, nachhaltiger zu leben, könne man aber schnell an den Punkt kommen, den eignen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden. Der eine Kaffee wird dann doch im Einwegbecher getrunken und die Klamotten in Massen online geshoppt. Das Ergebnis: Stress und schlechtes Gewissen. Auch Marie ging es kurz nach der Geburt ihres Sohnes so.

"Es gibt viele Sachen, die man tun kann. Aber dazu gehört nicht, andere zu verurteilen."
Marie Nasemann

Sie musste erst lernen, dass es nichts bringt, sich unter Druck zu setzen. Heute akzeptiert sie, dass es auch mal Phasen gibt, in denen ein nachhaltiger Lebensstil mal nicht an erster Stelle steht. Ein Tipp von Marie, um Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren: zu einer nachhaltigen Bank zu wechseln und Ökostrom zu beziehen. Das sei zwar erst mal bürokratischer Aufwand, aber mache dafür jeden Monat etwas aus.

"Die Verbraucher*innen werden so an der Nase herumgeführt mit irgendwelchen Greenwashing-Kampagnen, dass sie gar nicht mehr die Möglichkeit haben, die richtigen Entscheidungen zu fällen. Ich finde einfach, dass die Verantwortung immer mehr bei den Unternehmen und der Politik liegt."
Marie Nasemann, Bloggerin

Marie wünscht sich, "dass wir alle mehr Mut haben, unsere Stimme für Themen einzusetzen“.