Tesla-Gründer Elon Musk wird wahrscheinlich Twitter übernehmen. Manche Userinnen und User suchen nun nach Alternativen - eine davon ist Mastodon. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll glaubt allerdings nicht, dass das soziale Netzwerk Twitter langfristig ersetzen wird.

Seit Twitter die bevorstehende Übernahme der Plattform durch Tech-Milliardär Elon Musk verkündet hat, bekommen Alternativen viel Aufmerksamkeit. Denn Kritiker*innen machen sich vor allem Sorgen, dass Twitter nun ein Ort mit mehr Hass und Hetze wird. Das liegt daran, dass Musk erklärter Gegner von Content-Moderationen ist und sich selbst als "Absolutisten der Redefreiheit" bezeichnet.

"Ich glaube nicht, dass viele Twitter-Nutzer nun wegen der Übernahme ihren Account löschen. Es gibt bislang keine wirkliche Alternative."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll über Twitter-Alternativen

Aus diesen Gründen sicherten sich bekannte Twitter-Nutzer*innen, wie beispielsweise Jan Böhmermann nun einen Mastodon-Account. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll geht davon aus, dass sich zwar gerade viele Nutzer*innen nach Alternativen umschauen, aber letztlich nicht ihren Twitter-Account löschen werden.

Twitter-Alternative Mastodon: Ein dezentrales Soziales Netzwerk

  • Der Mikroblogging-Dienst wurde im Jahr 2016 vom deutschen Programmierer Eugen Rochko gegründet.
  • Insgesamt hat Mastodon 4,4 Millionen Nutzende, Twitter kommt auf 217 Millionen.
  • Mastodon ist werbefrei und dezentral.

Dezentral bedeutet: Jede und jeder kann einen eigenen Mastodon-Server und damit eine eigene Mastodon-Community betreiben, sozusagen ein eigenes kleines Twitter. Die Betreiber*innen dieser Community legen auch die Regeln fest, zum Beispiel, welche Inhalte wie moderiert werden. Regulierungen durch einen zentralen Betreiber, wie es bei Twitter der Fall ist, sind nicht möglich.

Wenig sinnvoll wäre es, wenn die User nur die Kurznachrichten ihrer jeweiligen eigenes Communities lesen könnten - die potenzielle Reichweite der Nachrichten wäre gering.

Deshalb ist Mastodon so konzipiert, dass Nachrichten Community-übergreifend gelesen werden können. Das Prinzip ähnelt hier E-Mails. Zwar wird die E-Mail-Adresse von einem bestimmten Betreiber vergeben ("...@web.de", "...@gmail.com"), doch E-Mails können von jedem Betreiber zu allen anderen verschickt werden, solange der technische E-Mail-Standard eingehalten wird.

"Wir können mit einem GMX-Account auch eine Nachricht an ein Gmail-Konto schreiben."

Die Timeline ist durch die Voreinstellungen chronologisch eingestellt. Sortieralgorithmen wie bei Twitter gibt es nicht - Hashtags allerdings schon. Die können User*innen nutzen, um sich nach und nach eine individuelle Timeline nach eigenen Interessen zusammenzustellen.

Bei Twitter hingegen gibt es zwei Timelines, die beide durch Algorithmen beeinflusst werden. Sowohl die Timeline-Einstellung "beste Tweets", als auch "neueste Tweets" werden von einem Sortier-Algorithmus bestimmt.

Bei Mastodon ist eine Nachricht auf 500 Zeichen begrenzt. Userinnen können Funktionen wie Favoriten, Retweets, Listen und Umfragen nutzen – ähnlich wie bei Twitter.

Trotz aller Ähnlichkeiten ist Andreas Noll nicht überzeugt davon, dass sich Mostodon mittel- und langfristig durchsetzen wird. "Ich will für die Zukunft nichts ausschließen, aber Whatsapp ist beispielsweise trotz aller Kampagnen und Fehler immer noch die dominierende Messenger-App", sagt er. "Dabei gibt es hier sogar Alternativen, die von den Funktionalitäten her noch besser sind."