In Baden-Württemberg dürfen Ärzte Patienten per Telefon, Video oder App eine Ferndiagnose stellen und Rezepte ausstellen. Die TeleClinic-Gründerin Katharina Jünger sieht in der Plattform viele Vorteile für Ärzte und Patienten.

Statt sich im vollen Wartezimmer in einer Arztpraxis anzustellen, können Patienten in Baden-Württemberg bequem vom Bett aus mit einem Arzt über ihre Beschwerden sprechen. Katharina Jünger hat zusammen mit Reinhard Meier und Patrick Palacín die TeleClinic gegründet. Noch ist die Plattform in der Pilotphase. Ab März können neun Millionen Kassenpatienten über die Plattform Ärzte vermittelt bekommen, die eine Ferndiagnose erstellen und auch Rezepte ausstellen können.

Rezepte per Ferndiagnose

Das erste Gespräch führen die Nutzer mit einer Krankenschwester oder einem Krankenpfleger, die je nach Beschwerden entscheiden, welcher Arzt, der richtige ist. Nach circa 15 Minuten, sagt Katharina Jünger, meldet sich dann der Arzt oder die Ärztin mit der entsprechenden Expertise. Eventuell muss der Patient oder die Patientin noch ein Foto schicken, um die Ursache abzuklären. Wenn die Diagnose eindeutig ist, kann der Arzt auch ein Rezept ausstellen, erklärt die 26-jährige Plattformgründerin.

Strenge Auswahl der Tele-Ärzte

Die Ärzte wiederum können sich bei der TeleClinic bewerben und müssen Tests ablegen. Die ausgewählten Ärzte werden nach jeder Behandlung von den Patienten bewertet. "So, dass wir sicherstellen können, dass die Ärzte, die für TeleClinic arbeiten, auch von hoher Qualität sind und die Patienten auch am Ende zufrieden sind," erklärt Katharina.

"Wir binden die Ärzte mit ein und geben ihnen das Gefühl, dass die TeleClinic für sie eine tolle Möglichkeit ist, weil sie ihre Leistung über Smartphone anbieten können."
Katharina Jünger, TeleClinic-Gründerin

Bis heute hat Katharina von den Ärzten überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. Denn die TeleClinic arbeitet nicht mit eigenen Ärzten, sondern bietet Ärzten eine Plattform an, über die sie leichter in Kontakt mit den Patienten kommen.

"Die Ärzte sagen, die TeleClinic ist super, weil am Ende ist es eine Plattform, über die die Ärzte aufs Smartphone kommen und nicht Doktor Google."
Katharina Jünger, TeleClinic-Gründerin

Ist das Krankheitsbild kompliziert und der Arzt braucht mehr Informationen, wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder eine Stuhlprobe, um eine Diagnose erstellen zu können, müssen diese in einer Arztpraxis ermittelt werden.

Grundlage ist eine gute Anamnese

Kritikern, die sagen, dass eine gute Diagnose nur im persönlichen Kontakt mit dem Patienten erstellt werden kann, entgegnet Katharina, dass eine gute Anamnese auch aus der Ferne erfolgen kann. Nachgewiesen ist, sagt Katharina, dass mit dem ersten ausführlichen Gespräch zu 80 Prozent eine fehlerfreie Diagnose erstellt werden kann. Oft würde sich der Arzt in der Praxis nicht die Zeit nehmen, um alle wichtigen Fragen zu stellen, sondern ist nach fünf Minuten fertig, sagt Katharina. Bei der Ferndiagnose muss der Arzt sehr genau nachfragen, weil er den Patienten nicht anfassen kann.

Telemedizin als Vorteil für junge Familien

Gerade für jüngere Ärzte und Ärztinnen, die ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, sieht Katharina in der Ferndiagnose eine Alternative zum Praxis- oder Krankenhausbetrieb. Denn die Arbeitszeiten wie Schichtarbeit sind nicht immer familienkompatibel. Abgesehen von dem finanziellen Risiko, das eine eigene Praxis bedeutet.

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