Hustensaft hilft nicht unbedingt gegen Husten. Und es gibt auch andere Medikamente in der sogenannten "Schulmedizin", deren Wirkung nicht zweifelsfrei belegt ist.

Der Nutzen von Hustensaft ist nicht erwiesen, darüber haben wir vor kurzer Zeit berichtet. Und es gibt sicherlich eine ganze Reihe anderer Medikamente auf dem Markt, von denen wir nicht genau wissen, ob sie tatsächlich wirken, sagt der Mediziner Jürgen Windeler.

Er leitet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) in Köln. Und dort werden unabhängige, evidenzbasierte Gutachten für Medikamente und Therapien erstellt.

"Es gibt durchaus Medikamente, die nicht ausreichend getestet sind, die vielleicht vor langer Zeit in den Markt gekommen sind, wo es solch sorgfältige Überprüfungen noch nicht gab."
Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) in Köln

Wirksamkeit bedeutet im Zusammenhang mit Arzneimitteln, dass "es mir besser geht mit als ohne Medikament", so Jürgen Windeler. Doch der Einzelne selbst könne so die Wirksamkeit eines Medikaments nicht belegen. "Dafür braucht es Studien".

Studien belegen die Wirksamkeit

Denn es gebe immer viele Gründe, warum sich Symptome bessern können und wir uns besser fühlen, sagt der Mediziner. Das Arzneimittel sei dabei nur einer von mehreren Einflussfaktoren.

"Ich denke, dass man sich darauf verlassen kann, dass sehr viele Medikamente, die von Ärzten verschrieben werden, für die jeweilige Situation einen Nutzen und eine Wirksamkeit haben."
Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) in Köln

Ein Beispiel: Bei einigen Psychopharmaka wisse man nicht genau, wie einflussreich sie sind. Darunter fallen etwa Medikamente gegen leichtere Depressionen, erklärt Jürgen Windeler. Es gebe die Vermutung, dass bei manchen Antidepressiva außer dem Placebo-Effekt nicht viel übrig bleibe. Doch die Untersuchungen dazu dauerten noch an.

Placebo-Effekt als solchen benennen

Prinzipiell ist Jürgen Windeler dafür, den Placebo-Effekt als solchen zu benennen. Wenn sich jemand besser fühlt "ist das gut, und man soll das glauben". Dennoch müsse man offen kommunizieren, wenn es nicht an der Medizin gelegen haben kann.

Im Alltag könnten wir aber davon ausgehen, dass wir von Ärzten hauptsächlich die Medikamente verschrieben bekommen, deren Wirksamkeit und Nutzen belegt seien.

Neue Medikamente nicht zwingend besser als alte

Übrigens müssen neue Medikamente nicht immer besser seien, als alte, sagt Jürgen Windeler: "Man kann sagen, dass knapp 45 Prozent tatsächlich besser sind, als das, was wir haben." Die knappe Mehrheit der neuen Medikamente ist also "höchstens genauso gut" und nicht besser als die vorhandenen. Auch das wird am IQWIG geprüft.