Wenn es nach Bundesgesundheitsminister Lauterbach geht, soll 5000 zusätzliche Studienplätze in der Medizin geben. Ein Studierendenvertreter dagegen sagt: Es sind eigentlich jetzt schon zu viele Medizinstudenten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht die Gesundheitsversorgung derjenigen gefährdet, die jetzt zwischen Mitte 50 und Anfang 70 sind. In den kommenden Jahren würden Zehntausende Ärzte aus dem Beruf ausscheiden. "Dieses Defizit können wir nicht ausgleichen, indem wir ärmeren Ländern dort dringend benötigtes Fachpersonal abwerben", sagte Karl Lauterbach der "Bild am Sonntag".

Deshalb müsste jetzt die Zahl der Medizinstudienplätze erhöht werden.

Diesen Wunsch kann Jason Adelhoefer nicht nachvollziehen, zumindest nicht unter den aktuellen Studien-Bedingungen. Er ist Vizepräsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland. Der 25-Jährige ist im zehnten Semester an der Berliner Charité eingeschrieben.

Studieren an der Kapazitätsgrenze

Die Menge bringe bereits heute vielerorts die Anatomie, den Prep-Saal und den Operationssaal an seine räumliche Grenze. Daher wundere es die Bundesvertretung der Medizinstudierenden, dass die Zahl der Studienplätze noch weiter erhöht werden solle.

Matthias Frosch, Präsident des Medizinischen Fakultätentages, vertritt die Interessen der medizinischen Fakultäten an deutschen Hochschulen. Er hofft er auf bessere Studienbedingungen und sagt: "Mir ist keine einzige Berechnung bekannt und am Ende auch keine sachliche Notwendigkeit, die diese exorbitanten Zahlen wirklich hergeben oder rechtfertigen würden."

"Im Moment sind wir 105.000 Medizinstudierende. Das sind jetzt schon ungefähr 25 Prozent mehr als in 2010. Also auf jeden Fall auch ein neuer Höchststand."
Jason Adelhoefer, Vizepräsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden

Außerdem gebe es neben punktuellen Versorgungslücken in den Ballungsräumen teilweise auch eine Überversorgung. Und die Arbeitsbedingungen in den Kliniken seien für viele abschreckend. Die Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte seien so, dass viele nicht sehen, wie sie eine Arbeitsleistung von 100 Prozent mit privaten Planungen in Einklang bringen können. Auch Jason Adelhoefer hofft auf bessere Rahmenbedingungen und eine Entbürokratisierung der Arbeit von Ärzt*innen.

In Deutschland gibt es laut Weltgeundheitsorganisation 4,3 Ärztinnen und Ärzte pro 1000 Einwohner. Das ist vergleichbar mit Ländern wie Dänemark, Litauen, Tschechien und Schweiz.

  • Moderation:  Jenni Gärtner
  • Autorin:  Britta Mersch, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin