Jeremy Corbyn war der eigenen Partei zu links. Nun kam heraus: Um ihn zu täuschen, haben Funktionäre für ihn und sein Umfeld andere Wahlwerbung geschaltet als für den Rest der Wählerschaft - via Mikrotargeting bei Facebook.

Die britische Times hat aufgedeckt, dass die britische Labour-Partei bei den Unterhauswahlen im Jahr 2017 ihren eigenen Parteichef Jeremy Corbyn mit Hilfe von Facebook-Anzeigen manipuliert hat.

Die Ausgangslage: Corbyn war ein Kandidat, der einigen Funktionären seiner eigenen Partei zu links war. Er wollte den Wählern seine eigenen politischen Vorstellungen per Facebook-Anzeigen nahebringen. Diese Vorstellungen waren aber andere als die der führenden Labour-Parteigenossen.

"Wenn du auf Facebook Wahlwerbung schaltest, hast du die Möglichkeit eine bestimmte Wahlbotschaft nur an Fahrradbesitzer, an alleinerziehende Mütter oder an Arbeitslose zu adressieren."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Um Corbyn zufriedenzustellen, griffen die Parteigenossen zu einem Trick. Sie nutzten das sogenannte Mikrotargeting bei Facebook, also das sehr gezielte Ausrichten von Werbeanzeigen auf bestimmte Gruppen bis zu einzelnen Personen. Die Werber der Labourpartei zeigten ihrem eigenen Kandidaten Jeremy Corbyn, seinen engsten Vertrauten und ein paar ihnen nahestehenden Journalisten auf Facebook genau die Wahlwerbung, die Jeremy Corbyn sehen wollte.

Der Rest der Wählerschaft bekam Botschaften mit anderen Inhalten zu sehen - mit weniger links positionierten. Ziel war es, die eigenen Inhalte zu streuen und gleichzeitig dem Team um Corbyn zu suggerieren, es würde mit seinen Inhalten geworben.

Facebook-Mikrotargeting im US-Wahlkampf

Auch in den USA ist im Wahlkampf die gezielte Verbreitung von Werbung bei Facebook eingesetzt worden. Der Ex-Labour-Wahlkampfmanager Tom Baldwin schreibt in seinem aktuellen Buch "Ctrl Alt Delete": Hillary Clinton hat im Wahlkampf 66.000 verschiedene Facebook-Anzeigen verwendet. Das klingt allerdings nur so lange nach viel, bis man die Anzeigen-Zahl des Trump-Teams erfährt: 5,9 Millionen.

Baldwin plädiert für ein Verbot von politischer Werbung auf sozialen Netzwerken: "Wenn selbst der Oppositionsführer von seiner eigenen Partei in diesem Maße ausgetrickst werden kann, welche Chance haben dann die Wählerinnen und Wähler überhaupt noch, eine wirkliche Entscheidung zu treffen?"

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