Dutzende Beschäftigte, die in einem Stall untergebracht werden, Arbeiter, die nicht über ihre Rechte aufgeklärt werden - die Arbeitsbedingungen in deutschen Schlachthöfen sind häufig katastrophal. Jetzt tritt wenigstens ein Mindestlohn in Kraft. Alle Probleme werden sich so aber nicht lösen lassen.

Heute tritt der Mindestlohn in der Fleischbranche in Kraft. Bundesweit 7,75 Euro pro Stunde verdienen die Beschäftigten jetzt an den Fließbändern der Schlachtereien in Deutschland. Dort arbeiten vor allem Osteuropäer, also zum Beispiel Rumänen, Ungarn oder Bulgaren - und das zu richtig schlechten Bedingungen.

Eine gute Entwicklung? Der Mindestlohn verbessert nur etwas, wenn seine Durchsetzung auch kontrolliert wird, sagt der Journalist Marius Meyer. Zusammen mit seinem Kollegen Michael Nieberg hat er die ARD-Reportage "Lohnsklaven in Deutschland - Miese Jobs für billiges Fleisch" gedreht (gesendet im Juni 2013).

Grundsätzlich gelte: Es geht nicht nur ums Geld. Insgesamt seien die Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche sehr schlecht. Außerdem müsse natürlich sichergestellt werden, dass der Mindestlohn kontrolliert wird. Marius Meyer fürchtet, dass die Branche Tricks finden wird, die Regelungen zu umgehen.

Es geht nicht nur ums Geld

Zu den Arbeitsbedingungen: Viele Beschäftigte lebten in erbärmlichen Unterkünften. So werde zum Beispiel ein ganz gewöhnliches Einfamilienhaus angemietet und dort Dutzende Menschen untergebracht. Vereinzelt müssten auch Dutzende Arbeiter in Ställen wohnen. Oft seien die hygienischen Bedingungen sehr schlecht.

"Ich fürchte, es werden sich Tricks finden lassen, um den Mindestlohn zu umgehen. Da war die Branche in der vergangenen Zeit schon ziemlich kreativ. Und ich fürchte, das wird sie auch bleiben."
Marius Meyer über die Arbeitsbedingungen in der Fleischbranche

Ein weiteres großes Problem: Arbeiter aus Rumänien oder Bulgarien wissen oft nicht, welche Rechte sie haben, erzählt Marius Meyer. Ein Umstand, den Subunternehmer schamlos ausnutzten. So gebe es zum Beispiel Lohnabzüge, die nur als sittenwidrig zu bezeichnen seien. Außerdem würden viele Arbeiter bedroht, etwa wenn sie ankündigen rechtlichen Beistand zu holen.

Bleibt die Frage, ob Verbraucher etwas tun können, um diese katastrophalen Zustände zu ändern. Marius Meyer ist da skeptisch. So sei zum Beispiel völlig unklar, ob teureres Fleisch unter besseren Arbeitsbedingungen verarbeitet werde. Die einzige Lösung: Der Gesetzgeber sei gefordert und die Behörden müssten die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Fleischbranche überprüfen.