Wenn sich mehrere Leute ein Auto teilen, ist das eigentlich gut. Denn so sind weniger Autos auf den Straßen unterwegs – denkt man. Doch das stimmt nicht. Carsharing führt unter Umständen zu mehr statt weniger Autoverkehr.

Statt aufs Fahrrad einfach in einen Mietwagen springen – das ist bequem und auch ganz einfach. Viele Mietwagen sind über die Innenstädte verteilt, über eine App sind sie leicht zu orten. Und darum sind sie auch ein Problem, zumindest aus verkehrspolitischer Sicht, meint der Filmjournalist Heiner Hoffmann.

"Das zieht Leute aus dem ÖPNV raus – sprich aus Bus und Bahn – die dann sagen: 'Ah, ich geh jetzt nicht bis zur nächsten Haltestelle, ich nehme mir einfach so ein Drive Now und fahre bis da, wo ich hin will.'"
Heiner Hoffmann, Filmjournalist

Heiner Hoffmann hat zusammen mit seinem Kollegen Achim Reinhardt zu Carsharing und anderen Angeboten recherchiert, die eigentlich versprechen, gegen den Stau in deutschen Städten zu helfen. Doch heraus kam: Carsharing ist gar nicht so toll.

Dient nur der Bequemlichkeit

Zumindest ein Teil des Carsharings, sagt Heiner Hoffmann, wird kritisch gesehen – und zwar das sogenannte Free-Floating-Carsharing: Anbieter wie Drive Now oder Car 2 Go verführen uns nämlich dazu, kleine Strecken mit dem Auto zu fahren, statt mit der Bahn oder dem Rad. Eben weil diese Mietautos überall verfügbar sind und überall geparkt werden können. Das, sagt Heiner Hoffmann, fördere nur die Bequemlichkeitsmobilität.

"Wenn überall in der Innenstadt Carsharing-Autos rumstehen und keiner ein eigenes Auto hat, dann fahren die Leute ja trotzdem in Autos!"
Heiner Hoffmann, Filmjournalist

Mehr statt weniger Verkehr

Ähnlich sei es auch mit einem in Deutschland noch recht neuen Konzept, dem sogenannten Ride-Sharing: Da werden meist Kleinbusse via App gemietet. Die Idee ist, dass "unterwegs bestenfalls weitere Fahrgäste mitgenommen werden", so Heiner Hoffmann. Doch auch dieses Konzept könnte den Verkehr eher verstärken, das zeige die Praxis. In San Francisco etwa, wo es das Prinzip schon länger gibt, habe das Ride-Sharing nachweislich zu mehr Verkehr geführt.

Stationäres Carsharing ist echtes Carsharing

Das stationäre Carsharing allerdings wird von Experten positiver bewertet, berichtet der Filmjournalist. Denn nur wer ein Auto dringend braucht, macht sich die Mühe und geht zur Carsharing-Station, mietet sich einen Wagen und bringt ihn wieder zurück. 

"Neue Angebote könnten durchaus etwas taugen, man müsste sie nur besser regulieren, beispielsweise in der Peripherie."
Heiner Hoffmann, Filmjournalist

Sinnvoll im Umland

Im Umland könnten Carsharing-Angebote in Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr durchaus Sinn machen, meint Heiner Hoffmann – damit man etwa von der U-Bahn-Endhaltestelle nach Hause kommen kann. Das Problem sei aber: "Für Anbieter, die Gewinn machen wollen, ist das Umland weniger attraktiv, weil da weniger Kunden unterwegs sind."

Damit wir tatsächlich weniger Verkehr in den Innenstädten haben, müsse letztendlich der öffentliche Nahverkehr konsequenter ausgebaut werden, sagt Heiner Hoffmann: "mehr Linien, engere Taktung".

"Nur wenn der Nahverkehr wirklich attraktiv ist, dann verzichten Menschen auf ihr eigenes Auto."
Heiner Hoffmann, Filmjournalist

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