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Glaubt man manchen Ratgebern, hat der Mond so ziemlich auf alles Einfluss – vom Menstruationszyklus bis zum Pflanzenwachstum. Wir sprechen darüber mit dem Wissenschaftler Edgar Wunder.

Bei Vollmond schläft man schlechter – so erklären sich viele Menschen ihre Schlafstörungen. Manche glauben daran, dass während bestimmter Mondphasen das Gärtnern oder der Hausputz besser klappt. Es gibt auch Mond-Kalender und -Apps, die den Einfluss angeblich voraussehen.

Der Mond-Einfluss: Ein beliebter Mythos

Der Soziologe und Geograph Edgar Wunder hat mehrere hundert wissenschaftliche Untersuchungen über den Einfluss des Mondes auf unseren Schlaf überprüft. Er sagt: "Es gibt aus meiner Sicht keine überzeugenden Studien, die so einen Zusammenhang aufgezeigt haben."

Auch bei aktuellen Studien ist Edgar Wunder skeptisch: Eine Untersuchung zum Zusammenhang von Mond und Schlaf habe nur zwei bis drei Monate gedauert - dieser Zeitraum sei zu kurz, um mögliche Scheineffekte zu prüfen.

Studien zum Menstruationszyklus und einem möglichen Mond-Einfluss gibt es schon seit Jahrzehnten. Aber auch da sei "in 99 Prozent der Fälle kein Zusammenhang zu beobachten", so Edgar Wunder.

Viele Mond-Regeln gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert

Auch wenn der Einfluss des Mondes auf uns Menschen wissenschaftlich nicht belegt ist, gibt es viele auf Aberglaube basierenden Traditionen, die sich auf den Mond beziehen, sagt der Forscher. Dass diese Regeln antike Weisheiten sind, stimmt aber nicht. Die meisten gängigen Mond-Regeln kommen aus den vergangenen hundert Jahren.

"Der Großteil der Mond-Regeln, die in den modernen Mondkalendern stehen, sind fast alle im 20. Jahrhundert erfunden worden und vorher überhaupt nicht historisch nachweisbar."
Edgar Wunder, Soziologe und Geograph

Vorher habe es zwar auch schon Mond-Regeln gegeben – die seien aber im Verlauf der Jahrhunderte vergessen worden. Damals waren die Mond-Regeln auch "von Region zu Region unterschiedlich", so der Wissenschaftler. Diese "Mondgefälligkeit", wie Edgar Wunder sie nennt, sei in Süddeutschland deutlich verbreiteter als im Norden.

Mond-Regeln seien erst durch eine große Medienaufmerksamkeit populär geworden. Wobei etwa in den 1950ern behauptet wurde, dass es beim Vollmond mehr Geburten und Unfälle gäbe.

"In manchen Regionen hieß es: Man soll beim abnehmenden Mond bestimmte Dinge tun, in anderen die gleichen Dinge beim zunehmenden."
Edgar Wunder, Soziologe und Geograph

Im Endeffekt seien Mond-Ratgeber und Kalender deswegen so beliebt, weil sie uns Entscheidungen abnehmen, meint Edgar Wunder: "Ich finde da genau, wann ich das Haus putzen oder Haare schneiden soll. Da brauche ich die Mühe gar nicht mehr, mir zu überlegen: Wann soll ich das denn machen?"

"So ein Kalender bringt Ordnung in unseren alltäglichen Lebensrhythmus."
Edgar Wunder über den Einfluss von Mond-Kalendern

Dieser positive Effekt könnte die Psyche entlasten, erklärt der Wissenschaftler, und das auch ganz ohne nachweisbaren Einfluss: "Auch wenn keine Zusammenhänge zwischen dem Mond und all diesen Dingen bestehen können – der Glaube daran kann nützlich sein."