Konsum während des Lockdowns, das bedeutet oft: mehr Müll. Egal ob Kaffee, Pizza oder neue Kleidung - im letzten Jahr gab es das alles nur To Go und in eine Menge Plastik oder Karton verpackt. Bleiben diese negativen Gewohnheiten?

Mehr Zeit zu Hause bedeutete im letzten Jahr oft: mehr im Internet bestellen. Ob Materialien für das neu entdeckte Hobby, die dritte Jogginghose oder auch Essen per Lieferservice. Das führte bei vielen nicht nur zu leer geräumten Konten, sondern vor allem zu überfüllten Papier- und Restmülltonnen.
"Die Müllmenge ist europaweit während der Pandemie um bis zu 50 Prozent angestiegen."
Walter Leal, Professor für Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement an der Hochschule Hamburg

Walter Leal ist Professor für Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement an der Hochschule Hamburg und Experte für Abfallwirtschaft. Er meint: Im Pandemiejahr haben Einkäufe vor allem auf digitalen Kanälen stattgefunden. Die kamen dann in Pappkartons, Styropor-Boxen und Plastikverpackungen - und sorgten bei Müllunternehmen für zusätzlichen Stress.

Papiermüll leicht gesunken - trotz überfüllter Mülltonnen

Erstaunlich ist allerdings, dass der Papiermüll in Frankfurt beispielsweise im vergangenen Jahr nicht zugenommen hat. Das liegt am sogenannten "Amazon-Effekt": Zwar ließen acht Prozent mehr Kartonverpackungen die Papiertonnen häufig überquellen – trotzdem ist der Papiermüll insgesamt um vier Prozent gesunken.

Das liegt daran, dass Müll nach Gewicht gemessen wird und Karton wiegt weniger als Papier. Aber er beansprucht mehr Platz, erklärt Deutschlandfunk Nova Reporter Mathias von Lieben.

"In Dresden nahm die Altglasmenge um 13 Prozent zu, in Hamburg die Biomüll-Essensreste um mehr als zehn Prozent und in Düsseldorf sind 15 Prozent mehr Sperrmüll angefallen."
Mathias von Lieben, Deutschlandfunk Nova

Anderer Müll ist aber deutlich gestiegen, so zum Beispiel Altglas und Sperrmüll. In Köln etwa hat der Plastikmüll um rund sechs Prozent zugenommen – vor allem wegen mehr Take-Away-Essen und kleinteilig verpackten Zutaten für’s Kochen, erklärt Mathias von Lieben.

Müllproduktion in Haushalte verschoben

Normalerweise fällt in Kantinen und Restaurants sehr viel Müll an. Diese Müllproduktion hat sich nun in die Haushalte verschoben, sagt Umweltpsychologin Hannah Wallis.

"Ich habe keine Zweifel daran, dass sich das auch wieder ändert, wenn sich die Bedingungen wieder ändern und wir wieder draußen essen gehen können usw. Menschen sind stark abhängig von den Strukturen, in denen sie leben."
Hannah Wallis, Umweltpsychologin

Die Expertin ist sicher, dass sich unsere Gewohnheiten wieder ändern, wenn sich unsere äußeren Bedingungen wieder normalisieren. Darum sieht sie die Politik in der Verantwortung mehr zu tun, um Plastik zu reduzieren.

Verantwortung wird oft an Individuen ausgelagert

Denn oft wird die Aufgabe, weniger Müll zu produzieren den Individuen überlassen. Das reicht aber nach Meinung der Expertin nicht aus.

Ein wichtiger Schritt deshalb: Ab dem 3. Juli 2021 ist Schluss mit Einweg-Besteck und To-Go-Bechern aus Plastik. Denn dann greift die "Einwegkunststoffverbotsverordnung". Die Herstellung und der Verkauf von Einwegartikeln aus Plastik sind dann in Deutschland und EU-weit nicht mehr erlaubt.