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Der Vorfall um den Musiker Gil Ofarim in einem Hotel in Leipzig hat die Debatte über Antisemitismus in Deutschland (mal wieder) neu entfacht. In dieser plädiert Galina Tchechnitskaia vom Projekt "Meet a Jew" dafür, den Fokus auf die Gemeinsamkeiten zu legen.

In einem Instagram-Video erklärt der Musiker Gil Ofarim, wie er in einem Leipziger Hotel abgewiesen worden sei. Als Grund nennt er seine Kette mit Davidstern, ein jüdisches Symbol. Mittlerweile hat das Hotel zwei Mitarbeiter für die Dauer des Verfahrens, das eingeleitet wurde, beurlaubt. Einer der Mitarbeiter wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Antisemitismus im Alltag

Nachdem Gil Ofarim von dem Vorfall öffentlich berichtet hatte, war Galina Tchechnitskaia erschrocken. Sie ist selbst Jüdin. "Einerseits war es erschreckend", sagt die 24-Jährige. "Andererseits war es eigentlich aber auch nichts Neues." Sie erlebt immer wieder Antisemitismus.

"Antisemitismus erlebt man jeden Tag – auf offener Straße."
Galina Tchechnitskaia, engagiert sich bei "Meet a Jew"

Zum Beispiel in der Schule, werde man mit "du Jude" beschimpft. Jüdisch zu sein, sei für manchen eine Beleidigung und ein Schimpfwort. Auch der Vorfall, der im Hotel in Leipzig passiert sein soll, sei kein Einzelfall.

Um Vorurteile zu überwinden, engagiert sich Galina Tchechnitskaia in dem Projekt Meet a Jew des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dabei gehen Jüdinnen und Juden zum Beispiel an Schulen oder Unis, um Begegnungen zu ermöglichen. Galina Tchechnitskaia will zeigen, dass es viel Verbindendes gibt und alle Menschen gleich sind. "Wir unterscheiden uns nicht."

"Mir ist wichtig, dass wir Gemeinsamkeiten suchen und uns darauf konzentrieren."
Galina Tchechnitskaia, engagiert sich bei "Meet a Jew"

Bei ihren Begegnungen an den Schulen hat sie bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht. Am Anfang zeigt sie meist Videos vom Jewrovision. Es ist der größte Musik- und Tanzwettbewerb jüdischer Jugendzentren in Deutschland und Europa. Und Galina Tchechnitskaia hat bereits selbst teilgenommen.

Gemeinsamkeiten – unabhängig von der Religion

Sie will mit den Videos zeigen, dass es Gemeinsamkeiten gibt. Über die Musik, das Singen und auch Tanzen kann sie zu den Schülerinnen und Schülern eine Brücke bauen. "So kann man eine Verbindung herstellen", sagt Galina Tchechnitskaia.

Neben Projekten wie "Meet a Jew" wünscht sie sich aber insgesamt mehr Begegnungsräume, eben um Vorurteile und Klischees abzubauen und zu beseitigen. Und sie wünscht sich mehr Zivilcourage. Nämlich dass, bei einem Vorfall wie im Hotel in Leipzig, anwesende Personen direkt einschreiten.

"Man muss mehr Begegnungsräume schaffen, damit man Stereotypen beseitigt."
Galina Tchechnitskaia, engagiert sich bei "Meet a Jew"

Update (Stand: 18.10.2021): Mittlerweile sind Überwachungsvideos aus dem Hotel bekannt geworden. Mehrere Medien haben daraufhin berichtet, die Darstellung des Musikers sei durch die Überwachungsvideos möglicherweise widerlegt. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt und soll die Videos aktuell auswerten, berichtet tagesschau.de und bezieht sich auf die Deutsche-Presse-Agentur. Mehr ist Stand jetzt seitens der Behörden nicht bekannt.