In Dänemark nehmen rund ein Dutzend Betriebe die Nerzzucht wieder auf. Die Keulung von 15 Millionen Tieren im Jahr 2020 war zum Politikum geworden. Tierschützer hatten damals noch darauf gehofft, dass das Land sich komplett vom Geschäft mit den Pelzen verabschieden würde.

Viele europäischen Länder haben sich bereits von der Nerzzucht verabschiedet. In Dänemark wollen rund ein Dutzend Betriebe mit rund zehntausend Tieren erneut versuchen, wieder in das Geschäft einzusteigen.

Im Jahr 2020 wurden bei einigen infizierten Tieren in dänischen Nerzfarmen mutierte Coronaviren festgestellt. Zunächst wurde diese Mutation bei Tieren aus rund 160 Pelzfarmen nachgewiesen.

"Einige sind umgesattelt im Landwirtschaftsbereich, bauen jetzt Getreide oder Erdbeeren, andere haben ganz ihre Höfe verlassen, aber rund zwölf Betriebe wollen jetzt weiter machen."
Martin Polansky, Korrespondent

Die dänischen Gesundheitsbehörden entschieden im November 2020, dass rund 15 Millionen Tiere gekeult, also vorsorglich getötet werden sollten. Dadurch sollte eine Ausbreitung und Rückübertragung auf den Menschen verhindert werden.

Für das Keulen von gesunden Tieren gab es allerdings keine rechtliche Grundlage, was dazu führte, dass der Landwirtschaftsminister Mogens Jensen den Rückhalt im Parlament verlor. Aufgrund dessen entschied er sich zum Rücktritt von seinem Amt.

Gewünschte Fell-Qualität zu erlangen, kann 15 Jahre dauern

Ob sich das Geschäft mit den Nerzfellen überhaupt lohnt, fragen sich auch dänische Züchter, sagt unser Korrespondent Martin Polansky. Manche Züchter haben schon umgestellt auf Landwirtschaft.

Andere hätten ihr Leben lang nichts gemacht als eine Nerzfarm zu betreiben und wollten wieder zu ihrem ursprünglichen Beruf zurückkehren, sagt Martin Polansky. Das führt er auch darauf zurück, dass im Norden des Landes, also in Nord-Jütland, eine gewisse Tradition für die Nerzzucht herrsche.

"Dänemark hat sich vor Corona damit gerühmt, die besten Felle zu produzieren - und diese dann im Wesentlichen nach China verkauft."
Martin Polansky, Korrespondent

Vor Corona rühmten die dänischen Nerzproduzenten sich damit, dass sie die besten Felle produzieren, berichtet Martin Polansky. Allerdings könne es bis zu 15 Jahre dauern, die gleiche oder sogar eine bessere Fellqualität durch Züchtung zu erhalten, geben Züchter*innen zu bedenken. Die Nerzfarmen erhofften sich durch Zucht Nischen-Produkte mit sehr hoher Qualität, die sie zu einem entsprechend höheren Preis verkaufen können.

Nerzzucht komplett artfremd

Tierschützer*innen kritisieren die Nerzzucht als artfremd, weil es sich um Tiere aus der Familie der Marder handelt, also Raubtiere. Diese werden aber wie Nutztiere gehalten. Zu Tausenden werden die Tiere in den Farmen gezüchtet. In der Regel zu mehreren in kleinen Käfigen.

Das halten Tierschützer*innen weder für artgerecht noch zeitgemäß und fordern, dass das Land dem Beispiel anderer europäischer Länder folgen solle, die keine kommerzielle Zucht betreiben - zum Beispiel den Niederlanden, die einst Großproduzenten von Nerzfellen waren, die Zucht aber inzwischen weitgehend eingestellt haben. In Deutschland ist die Zucht nicht verboten, aber die Auflagen sind so hoch, dass es keine kommerzielle Zucht gibt.

Pelz tragen, ohne sich darüber bewusst zu sein

Auch wenn dänische Züchter in erster Linie für den chinesischen und daneben auch für den osteuropäischen Markt produzieren, hängt der Erfolg auch von der Nachfrage ab. Auch wenn die Mehrheit von uns in Deutschland keinen Wert darauf legt, Pelze zu tragen, tun wir das in manchen Fällen, ohne uns darüber im Klaren zu sein.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Jenni Gärtner
  • Gesprächspartner:  Martin Polansky, Korrespondent