Wir werfen zu schnell und zu viel Kleidung weg. Seit ein paar Jahren gibt es daher den Trend, Kleidung zu leihen, statt zu kaufen. Jetzt steigt Tchibo ins Leih-Geschäft ein.

Die weltweite Textilproduktion hat sich laut einer Studie von McKinsey seit 2010 verdoppelt. Ganz vorne mit dabei: Firmen wie H&M oder Zara. Aber auch Tchibo mit seiner Billigkleidermarke trägt zu noch mehr Textilproduktion und damit dem immer schnelleren Wegwerfen von Kleidung bei. 

Raus aus der Massenproduktion

Jetzt testet das Unternehmen aus Hamburg das Verleihen von Kinderkleidung. Die trägt sich in der Regel nicht so schnell ab, weil die Kleinen schneller wachsen, als dass die Knie durchgescheuert sind. Das Unternehmen arbeitet dabei mit Relenda zusammen, einem Start-up, das seit 2014 einen Kinderkleiderleihservice betreibt.

"Wir gehen davon aus, dass ein Kleidungstück etwa vier Kinder durchläuft und dann gespendet wird."
Sandra Coy, Tchibo

Die Kleidungsstücke sind für ein paar Euro im Monat zu leihen. Wenn etwas kaputt geht, kann man es einfach zurückschicken ohne zusätzliche Kosten. Aber Katja Scherer aus der Deutschlandfunk Wirtschaftsredaktion findet dennoch einen Kritikpunkt: die Versandwege. Allerdings sagt sie: "Würde man neue Ware aus Asien hierher schicken, dann würden noch mehr Emissionen entstehen."

Kleiderproduktion senken

Einige haben die billige, umweltschädliche und ausbeuterische Massenproduktion von Kleidung schon lange satt und kaufen in Second Hand Läden. Seit ein paar Jahren gibt es auch immer mehr Shops und Initiativen, über die man Kleidung tauschen kann. Die Tausch- oder auch Leihläden wie Temporary Warddrobe, Kleiderei, Kleiderrebell oder Kleiderkreisel findet man bislang vor allem in Großstädten, aber manche habe auch einen Online-Shop eingerichtet.

Ziel des Kleiderleihens ist die Verringerung der Kleiderproduktion, die in den vergangenen Jahren stark angewachsen ist. Denn die Produktion verbraucht "wahnsinnig viel Ressourcen", erklärt Katja.

"Bei Baumwolle wird eine große Menge an Dünger und Pestiziden eingesetzt, und der Anbau braucht unheimlich viel Wasser. Und wenn man sich dann vorstellt, das Mieten führt vielleicht dazu, dass die Baumwolle häufiger genutzt und weniger ersetzt wird durch frische Baumwolle, dann kann man da theoretisch positive Effekte erwarten."
Florian Lüdeke-Freund, ESCP Europe Business School

Ob sich das Geschäftsmodell bei Tchibo rechnen wird, weiß Sandra Coy von Tchibo noch nicht. Denn es hängt stark davon ab, wie die Kunden das Leih-Geschäft annehmen. Das Unternehmen sieht das Ganze als "Gesellschaftsexperiment" aber auch als Bestrebung, in ein paar Jahren ein 100 Prozent nachhaltiges Unternehmen zu sein.

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