In Deutschland ist Nachhilfe alles andere als cool. In Hongkong dagegen werden Nachhilfelehrer als Stars gefeiert und genauso bezahlt.

Yat Yan Lam ist Nachhilfelehrer und unterrichtet an einem renommierten Nachhilfeinstitut. Er verdient im Jahr umgerechnet vier Millionen Euro. Jetzt wollte ihn eine andere Privatschule für 9,6 Millionen abwerben. Der Nachhilfelehrer genießt den Status eines Stars, darum wird ihm so viel Geld geboten.

Yat Yan Lam ist 28 Jahre alt, gut aussehend, charmant, eloquent und es gelingt ihm, seine Schüler zu motivieren, sagt DRadio-Wissen-Korrespondent Markus Rimmele. Allein das hat seinen Popstar-Status begründet. Anders als bei uns herrsche in China ein Bildungswahn, erklärt Markus. Das chinesische Bildungsmodell bestehe aus permanentem Unterricht, Pauken und Drill und erfordere viel Sitzfleisch.

Ehrgeizige Eltern

Die chinesischen Eltern sind sehr ehrgeizig und schicken ihre Kinder häufig nach der Schule noch in zusätzlichen Unterricht. Dieses chinesische Bildungsideal treffe auf eine durchkommerzialisierte und turbo-kapitalistische Gesellschaft, erklärt Markus Rimmele. Diese beiden Faktoren würden eine Mischung erzeugen, in der aus Nachhilfelehrer Stars und aus den Schulen millionenschwere Unternehmen werden. "So etwas kann es nur in Hongkong geben", stellt unser Korrespondent fest.

"Das hat mit einem Nachhilfelehrer, wie wir das kennen, nichts zu tun. Er ist eher ein Star-Motivator. Er macht schon Unterricht, aber es geht sehr viel um Lern-Motivation."
Markus Rimmele, DRadio-Wissen-Korrespondent

Der Starkult der Nachhilfelehrer wird durch Plakatkampagnen mit ihrem Porträt angefeuert. Auf Facebook haben sie tausende Follower, sie werden vergöttert und angehimmelt. Hinter dem Starkult steht die Hoffnung der Eltern, dass sich die Schüler leichter zum Lernen motivieren lassen. Sie hoffen, dass sich ihre Kinder über den Nachhilfe-Star auch mehr für das Fach interessieren, das er unterrichtet.

"Das sind wirklich Celebrities!"

In Hongkong ist der Nachhilfeunterricht ganz anders als in Deutschland organisiert. Die Lehrer machen keinen Einzel- oder Gruppenunterricht, sondern stehen vor einer großen Menge Schüler wie bei einer Vorlesung in der Uni. Teilweise nehmen die Schüler auch per Videokonferenz teil. Vier Unterrichtsstunden kosten circa 70 Euro, sagt Markus. Das gehe mit der Zeit ins Geld, sei aber ein Preis, den sich nicht nur reiche Familien leisten könnten.

Reiche Eltern, steile Karriere

Dieses durchkommerzialisierte Bildungssystem habe auch zur Folge, dass die finanzielle Ausstattung der Familien wesentlich darüber entscheide, wie erfolgreich die Schüler sind. Zwar gibt es auch kostenfreie staatliche Schulen, doch der Wettbewerb sei so groß, dass alle Eltern, die es sich leisten könnten, ihre Kinder in zusätzlichen Unterricht schicken würden. Durch den Extra-Unterricht entstehen für die Kinder wiederum bessere Chancen, einen Studienplatz an einer renommierten Universität zu bekommen, erklärt Markus.

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