"Schreib mir, wenn du zu Hause bist." Diesen Satz haben bestimmt viele schon einmal gesagt, wenn die Freundin sich nachts auf den Heimweg gemacht hat. Was könnte gegen dieses mulmige Gefühl helfen? Unter anderem ein Umdenken in den Köpfen und in der Stadtplanung.

Ihr seid nachts unterwegs, die Straße ist schlecht beleuchtet und ihr fühlt euch unsicher. Dann geht das Kopfkino los und die Sorge steigt auf, jemand könnte euch aus dem Hinterhalt gefährlich werden.

Vor Kurzem haben wir über Notwehr-Gadgets für den Schlüsselbund berichtet, die damit werben, im Ernstfall eine Hilfe zu sein. Über Instagram haben wir dafür viel Feedback von euch bekommen, unter anderem auch die Bitte, dem Thema eine andere Perspektive zu geben. Statt über den Nutzen von Notwehr-Gadgets sollte darüber gesprochen werden, was unternommen werden muss, damit sich vor allem weiblich gelesene Menschen im öffentlichen Raum sicher fühlen können.

Kaum Zahlen in Kriminalstatistik

Fakt ist: Offizielle Zahlen zu dem Szenario, eine fremde Person greift uns nachts plötzlich an, gibt es nicht. Das liegt daran, dass die polizeilichen Kriminalstatistiken zwar nach Tatdelikten unterscheiden – zum Beispiel nach sexueller Belästigung oder einem Angriff – für das konkrete Szenario eines Angriffs von einem Fremden auf offener Straße gibt es aber keine eigene Kategorie. Manche Statistiken unterscheiden noch nach Orten, andere gehen auf die Täter-Opfer-Beziehung ein.

Laut dem Bundeskriminalamt komme es nur sehr selten zu Angriffen wie in unserem Szenario. Besonders bei sexuellen Übergriffen sind die Täter in den meisten Fällen auch keine Fremde für das Opfer. Oft komme die angreifende Person aus ihrem Umfeld oder Täter und Opfer sind sich schon mal begegnet. So weit die Statistik.

Angsträume an öffentlichen Orten

Eine Umfrage der Organisation Plan International unter 940 Menschen, die sich als weiblich oder divers bezeichnen, im Alter von 16 bis 71 Jahren aus Hamburg, Berlin, Köln und München macht aber deutlich, dass sich Frauen in ihren Städten an bestimmten Orten nicht sicher fühlen.

Für die Umfrage sollten sie Orte auf einer interaktiven Karte markieren, an denen sie sich sicher beziehungsweise nicht sicher fühlen. Das Ergebnis: 80 Prozent der markierten Orte nahmen die Frauen als einen Ort wahr, an dem sie sich nicht sicher fühlten. An fast einem Drittel der Orte wurden die Frauen schon einmal verfolgt oder sexuell belästigt, fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt zusammen.

"Fast ein Drittel der Orte wurde markiert, weil die Frauen da doof angemacht, verfolgt oder sexuell belästigt wurden. Und auch wenn da nichts zur Anzeige gebracht wurde, sind das Erlebnisse, die Angst machen."
Krissy Mockenhaupt, Deutschlandfunk Nova

Was sich Frauen von Männern wünschen

Um mögliche Angstsituationen zu entzerren, wünscht sich Claudia Ulferts von der Organisation, dass Männer bewusst Abstand halten, sollten sie merken, eine Frau fühlt sich unsicher – gerade nachts. Die Situation kann zum Beispiel schon aufgelöst werden, wenn der Mann die Straßenseite wechselt, statt hinter einer Frau anzufangen, schneller zu gehen. In der Bahn wäre es als Mann auch möglich, aus dem Fenster oder auf das Smartphone zu schauen, sagt sie, wenn sich eine Frau sichtlich unwohl und beobachtet fühlt.

Städte frei machen von Angsträumen

Die Frauen in der Umfrage haben vor allem dunkle und uneinsichtige Ecken in Parks als Orte markiert, die bei ihnen nachts Angst oder Unbehagen auslösen. Hier wäre es etwa möglich, Wege mit mehr Straßenlaternen auszuleuchten und Sträucher kürzer zu schneiden, damit die Wege einsichtig sind.

Frauen in die Stadtplanung einbeziehen

In Wien wurde beim Bau des neuen Stadtteil Aspern auf eine geschlechtergerechte Stadtplanung geachtet. Durch das Gender Planning sind Wege und Straßen in der Dunkelheit gut beleuchtet und die Häuser wurden so gebaut, dass Räume wie Wohnzimmer, in denen wir uns lange aufhalten, zur Straße rausgehen. Das sorgt einerseits für mehr Licht und auf der anderen Seite auch für das Gefühl, im Ernstfall gesehen und gehört zu werden. Claudia Ulferts empfiehlt Kommunen daher, Frauen mehr in die Planung einzubeziehen.