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Lange galten sie in Deutschland als ausgestorben – doch langsam aber sicher kommen sie in einige östlichen Landesteile zurück: Fischotter. Grundsätzlich bekommen sie das ganze Jahr über Nachwuchs, momentan haben sie aber Hochsaison.

Der Tiefpunkt sei in den 1970er-Jahren gewesen – damals waren die Otter in Deutschland fast verschwunden, sagt Friederike Scholz vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Heute gehe es den Fischottern deutlich besser. Über den Berg seien sie aber leider immer noch nicht. In vielen Teilen Deutschlands kämen sie nach wie vor gar nicht vor, in anderen Regionen nur vereinzelt.

Stabile Bestände nur im Osten

Wirklich stabile Bestände gibt es eigentlich nur im Osten des Landes – in Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen, so die Wildtierexpertin. Auch am östlichen Rand Bayerns gebe es noch einige Exemplare.

"Den Ottern geht es heute besser – über den Berg sind sie aber leider immer noch nicht."
Friederike Scholz, Wildtierexpertin beim BUND

Dafür, dass die Otter bedroht sind, gibt es mehrere Gründe, so die Wildtierexpertin. Zum einen wurde noch bis vor 100 Jahren so ziemlich alles, was Fleisch oder Fisch in der Natur frisst, verfolgt.

Otter galten als Schädlinge

Davon war nicht nur der Fischotter betroffen, sondern auch Wildkatze, Luchs, Seeadler und viele weitere Tiere. Sie galten als Schädlinge und wurden "wirklich gnadenlos verfolgt" – also geschossen, vergiftet oder mit Fallen gefangen.

"Es wurde mit Fallen, Gift und Erschießen ein richtiger Ausrottungsfeldzug gegen diese Tierarten gestartet, weil sie eben als Schädlinge angesehen wurden."
Friederike Scholz, Wildtierexpertin beim BUND

Außerdem wurde der Fischotter früher als Fisch angesehen und definiert. Deshalb durfte er zum Beispiel in der Fastenzeit gegessen werden – ein nicht unbeliebter Trick, wie die Menschen trotz der Fastengebote Fleisch auf den Teller bekamen. Darüber hinaus haben Fischotter ein schönes Fell – auch das weckte Begehrlichkeiten. Viele Fischotter wurden wegen ihres Fells gejagt.

Fleisch, Fell, verbaute Flüsse

In den 1970er-Jahren, als die Otter in Deutschland fast vom Aussterben bedroht waren, sei dazugekommen, dass in Deutschland viele Flüsse und Bäche verbaut und Uferböschungen abgeholzt wurden, so die Wildtierexpertin. Die Gewässer waren danach verdreckt – und in solchen Gewässern leben weniger Fische, von denen der Fischotter lebt.

Jagdverbot seit 1968

Die Erholung der Bestände geht nicht von heute auf morgen. Schon seit einigen Jahrzehnten ist der Fischotter streng geschützt – seit 1968 darf er nicht mehr gejagt werden. Die meisten kommen jetzt im Straßenverkehr ums Leben.

Den Wert der Otter in einer Kosten-Nutzen-Rechnung auszudrücken, möchte Friederike Scholz nicht. Eine Einteilung in "nützlich" und "schädlich" liege Naturschutzverbänden wie dem BUND ohnehin eher fern. Jedes heimische Wildtier sollte im besten Fall seinen natürlichen Platz wiederfinden. Und gerade der Otter gehöre zu unseren Gewässern einfach dazu. Dort erfülle er seine Rolle, so wie jedes Tier und jede Pflanze ihre Rollen im Ökosystem erfüllten. Wenn viele Arten vorhanden seien, seien die Lebensräume und Ökosysteme außerdem stabiler.

Fischotter sind scheu

Solltet ihr in Mecklenburg wohnen und beim Spaziergang am Bach einen Otter zu Gesicht bekommen, wäre das eine absolute Ausnahme. Die Tiere sind nämlich sehr scheu und ziehen sich zurück. Nach der Geburt sind die Otter zunächst einmal kleine Nesthocker. Sie sitzen also die ersten zwei Monate in ihrem Erdbau am Ufer und kommen nicht heraus, so die Wildtierexpertin. Die Augen öffnen sie erst spät, mit ungefähr einem Monat.