Wäre das geil, wenn dein Sohn einfach "Junge" heißen würde. Und die Tochter vielleicht "Blade"!? Ob verrückte Namen durchgehen, darüber entscheidet ein Gutachten mit. Namenforscherin Gabriele Rodriguez weiß, was geht und was nicht.

"Alexander" und "Sophia" nannten die meisten Deutschen 2016 ihren Nachwuchs. Andere hatten ausgefallenere Ideen: Holunda, Westend, Blade und Miracle sollten ihre Kinder heißen. Viele der Spezi-Namen müssen allerdings erst von den Behörden genehmigt werden. Oft folgen die Behörden dann dem Vorschlag eines Gutachters.

Namenforschung und Abwägungssache

Eine der Gutachterinnen ist die Namenforscherin Gabriele Rodriguez von der Namenberatung der Uni Leipzig - neben der Gesellschaft für deutsche Sprache die zweite offizielle Beratungsstelle in Deutschland. Sie kann erklären, warum Namen wie Miracle, Sundance und Royal durchgehen - andere aber nicht. Denn dafür gibt es drei wichtige Kriterien:

1. Der Name muss als Vorname erkennbar sein
Auch Eigenkreationen sind grundsätzlich möglich, solange sie den Charakter eines Vornamens behalten. Einfacher ist es, wenn der Vorname schon irgendwo auf der Welt zumindest in ähnlicher Form nachweisbar ist.

2. Das Geschlecht sollte erkennbar sein
Das gilt nicht unbedingt für den Rufnamen, auch "Toni", "Kim" und andere sind möglich. Allerdings sollte es dann einen zweiten Vornamen geben, der einem Geschlecht zugeordnet werden kann.

3. Das Wohl des Kindes soll gewährleistet sein
"Das wichtigste Kriterium, aber auch das schwierigste ist das Wohl des Kindes", so Gabriele Rodriguez. Hier geht es darum zu entscheiden, ob der Name das Kind lächerlich machen könnte. Aus diesen Gründen wurden beispielsweise "Keks" und "Flauschi" abgelehnt.

Den Namen Christmas, der tatsächlich dieses Jahr durchgegangen ist, hätte Gabriele Rodriguez beispielsweise abgelehnt. Zwar gibt es Namen wie "Christma" oder "Christ", für sie wäre die Verwechselbarkeit mit dem Englischen aber zu groß. Knackpunkt bleibt demnach immer wieder das dritte Entscheidungkriterium.

"Das ist natürlich sehr schwierig zu entscheiden, weil die einen sagen ' Ist doch noch ganz ok' und die anderen 'Um Gottes Willen'"
Gabriele Rodriguez, Namenforscherin

Und so gibt es sogar Gerichtsentscheidungen, die Namen schlicht verbieten. Warum "Waldmeister" oder "Frieden mit Gott allein durch Jesus Christus" auf dem Schulhof nicht förderlich sein könnten, liegt eigentlich auf der Hand. Bei anderen Namen lohnt sich aber der Blick in andere Kulturkreise und die Namensgeschichte. "Bei Sunil oder Fanta denken wir an Waschmittel und Getränke. Aber es gibt diese Namen tatsächlich, zum Beispiel ist Fanta ein westafrikanischer Name und Sunil ist ein alter indischer Vorname", klärt Gabriele Rodriguez auf.

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Im Trend liegen gerade amerikanische Abkürzungen. Erlaubt sind diese meist nur, wenn sie komplett ausgeschrieben werden also beispielsweise "Dee-Jay" statt "DJ". Trotzdem fragt man sich natürlich: Welche Eltern tun ihren Kindern so was an? Gabriele Rodriguez sagt: Manchmal stehe eine persönliche Geschichte hinter dem Namen, die man respektieren müsse. So war es auch bei Eltern, die ihre Tochter "Miracle" nennen wollten, nachdem die Mutter lange nicht schwanger werden konnte. Mitdenken ist allerdings erforderlich bei der Kombination von Vor- und Nachnamen:

"Da war der Familienname Höschen mit SCH. Wenn Sie aber Höschen anders lesen, könnte auch ein Hös-chen draus werden. Und da gab es Zwillinge, die wurden - ich weiß es nicht, ob bewusst oder unbewusst - Lila und Rosa genannt."
Gabriele Rodriguez, Namenforscherin

Zwar sind die deutschen Behörden bei der Namenszulassung deutlich liberaler geworden. Dass die Namensgebung allerdings völlig frei möglich ist wie in den USA und anderen Ländern, ist nicht abzusehen. Vielleicht ist das ja sogar ganz gut, dass man sein Kind nicht "Adolf Hitler" nennen darf oder "Zopittybop-Bop-Bop"