Zur Körperpflege ausschließlich Wasser zu nutzen, wird immer beliebter. Wer befürchtet, damit unangenehm aufzufallen, macht sich umsonst Sorgen, sagt die Dermatologin Yael Adler. Denn die Haut sei nach etwa vier Wochen in der Lage, selbst für die Beseitigung unangenehmer Gerüche zu sorgen.

Aus dermatologischer Sicht sei der Verzicht auf Reinigungsmittel sogar eine gute Idee, sagt die Hautärztin Yael Adler im Interview. Denn unserer Haut sei es egal, wann wir sie waschen, weil sie sich evolutiv noch in der Steinzeit befände.

Grundsätzlich sei die Haut so konzipiert, dass sie sich selber reinigen und pflegen könne. Dieser Voraussetzung kämen wir daher also näher, wenn wir zur Reinigung nur Wasser benutzen würden. Nach etwa einem Monat führe der Verzicht auf Reinigungsmittel dazu, dass sich das Mikrobiom – die körpereigenen Türsteherbakterien auf der Haut – bilden könnten.

"Nach vier Wochen haben wir den Naturzustand erreicht."
Hautärztin Yael Adler über die Reaktion der Haut

Untersuchungen hätten gezeigt, so die Hautärztin weiter, dass durch den Verzicht auf Reinigungsmittel auch wieder Bakterien entstehen könnten, die längst ausgestorben seien. Es seien aber gerade diese Bakterien, die uns Menschen vor Allergien oder Neurodermitis schützen könnten, erklärt Yael Adler. Darüber hinaus sorgten diese Bakterien auch dafür, dass das "reduzierte Waschkonzept" nicht dazu führe, dass wir müffeln.

Hersteller von Kosmetikprodukten haben inzwischen auf den Trend reagiert und bieten Bakteriensprays und entsprechende probiotische Cremes an. Die darin enthaltenen Stoffe unterstützten die Produktion der gewünschten Türsteherbakterien, so Yael Adler. Produkte dieser Art könnten unserer Haut bei der Umstellung auf eine ausschließlich auf Wasser basierte Reinigung also helfen.

Jeder Mensch stinkt anders

Ob und wie intensiv ein Mensch rieche, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, sagt die Dermatologin.

"Es gibt Menschen, die haben mehr Stinkstoff-Ausschleusungen als andere."
Yael Adler über Körpergerüche

Die individuelle Geruchsbildung sei beispielsweise bedingt durch genetische Faktoren, das Lebensalter der jeweiligen Person, das Wetter oder aber auch die Wahl der Kleidung. Denn ein nicht riechender Körper beginnt in einem nur mit 40 Grad gewaschenen Sportshirt aus Synthetik bereits nach einer fünfminütigen Joggingeinheit zu stinken.

Die Ursache dafür seien die im Shirt vorhandenen übel riechenden Bakterien, die durch das Tragen aufgefrischt werden. Dieser Effekt würde bei einem Shirt aus Baumwolle, Leinen oder Leder nicht auftreten, so Yael Adler weiter.

Die Hände sind eine Ausnahme – weil wir nicht mehr in der Steinzeit leben

Ausgenommen von der seifenfreien Reinigung des Körpers seien unsere Hände. Denn die Herausforderungen an unser Immunsystem seien in unserem Alltag unter den aktuellen Gegebenheiten zu groß.

Während die Menschen in der Steinzeit pro Tag nur Kontakt zu den etwa 30 Personen ihres eigenen Stammes hatten, sind wir heute direkt oder indirekt mit mehreren Tausend Kontakten in Berührung. Aus diesem Grunde weist die Hautärztin darauf hin, dass wir auf eine gründliche Reinigung unsere Hände achten sollen. Und das vor allem nach dem Besuch der Toilette, vor dem Essen und insbesondere im Winter.