Notaufnahme

Nur für lebensbedrohliche Situationen

Notaufnahmen sind überfüllt - weil Patienten auch mit harmlosen Krankheiten und Verletzungen kommen. Um Rettungsstellen bundesweit zu entlasten, will der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Patienten zur Kasse bitten, die sich dort unnötig vorstellen. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt hat geschaut, wo wir auch am Wochenende oder nach Feierabend Hilfe finden.

40 Prozent der Deutschen gehen in die Notaufnahme, obwohl auch ein niedergelassener Arzt - zu ganz normalen Praxis-Öffnungszeiten - das Problem regeln könnte. Die Gründe sind unterschiedlich. Manche wollen sich auf diese Weise die Wartezeit beim Arzt ersparen. Andere kommen in die Notaufnahme, weil Öffnungszeiten flexibler sind.

Der Notfallmediziner Johannes Wimmer ist genervt von den vielen harmlosen Leiden, mit denen Menschen in der Notaufnahme ankommen: "Jeder kommt für jedes Gschisti und Gschasti: Fieber, Bauchschmerzen, seit drei Wochen auf'm Pott nicht kacken können - die kommen alle. Und das spamt einem so ein bisschen die Notaufnahme zu."

"Fieber, Bauchschmerzen, seit drei Wochen auf'm Pott nicht kacken können - die kommen alle."
Johannes Wimmer, Notfallmedizinier

Was aber können wir tun, um die Notaufnahmen zu entlasten? Seit Jahren gibt es Ansätze in der Politik und auch vonseiten der Ärzte, die Patienten aus den Notaufnahmen fernzuhalten, wenn sie nichts wirklich Bedrohliches haben. 

Ein neuer Vorschlag ist es, von den Patienten eine Gebühr zu verlangen, wenn sie den Notfallbetrieb aufhalten, statt zum Hausarzt zu gehen. Denkbar wären zum Beispiel 50 Euro pro Besuch. Der Sachverständigenrat Gesundheit berät die Bundesregierung in dieser Frage. Der Vorsitzende Ferdinand Gerlach würde so eine Gebühr befürworten.

In weniger dringenden Fällen hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst

Vor allem: Es gibt auch Alternativen zur Notaufnahme, für alle Fälle, die dringend, aber eben nicht lebensbedrohlich sind: Unter der Nummer 116117 erreichen wir den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Über diese Nummer bekommen wir Kontakt zu einem Arzt - außerhalb der regulären Praxis-Öffnungszeiten.

Auch in den Notaufnahmen selbst werden Systeme ausprobiert, um die lebensbedrohlichen Fälle von denen zu trennen, die noch warten können, bis der Hausarzt wieder aufmacht. Zum Beispiel der Zweiminutentest. In zwei Minuten soll ein Arzt entscheiden, ob ein Patient oder eine Patientin in der Notaufnahme bleiben darf. 

Notfallmediziner Wimmer findet diesen Test schwierig: "Wir behandeln nach Dringlichkeit. Also geht es dem Menschen sehr schlecht, ein bisschen schlecht oder gar nicht schlecht. Und das hilft uns dann, wie schnell wir die Menschen behandeln. Wenn wir jetzt aber in diesen zwei Minuten entscheiden sollen, ob wir die sogar nach Hause schicken, da müssen wir ja quasi schon die komplette Diagnose mitlaufen lassen, und das ist eigentlich nicht möglich."

"Viele gehen auch in die Notaufnahme, die schaffen es zeitlich wann anders nicht. Die können sich gar nicht erlauben, tagsüber nicht zu arbeiten."
Johannes Wimmer, Notfallmediziner

Johannes Wimmer hat sogar auch ein bisschen Verständnis für Menschen, die aus zeitlichen Gründen in die Notfallaufnahme kommen. Eine Arztpraxis schließt häufig um 17 Uhr, manche haben nur vormittags auf. "Das sind ja völlig irre Öffnungszeiten", sagt Wimmer. Eine Lösung könnten Notfallpraxen sein, so der Mediziner. Bis es vielleicht irgendwann soweit ist, können wir uns an die 116117-Nummer wenden.

Aktualisierung (17.07.2018)

Nach massiver Kritik an dem Vorschlag, Gebühren für Notfallpatienten zu erheben, ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zurückgerudert und hat klargestellt, dass es keine Gebühr für Notfallpatienten geben soll. Eine solche Gebühr, so eine KBV-Sprecherin, sei nur als letzte Möglichkeit denkbar und stehe kurzfristig nicht zur Debatte.

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