Im NSU-Prozess laufen die Plädoyers der Verteidigung. Die Pflichtverteidiger möchten, dass die prominenteste Angeklagte, Beate Zschäpe, freikommt - am besten sofort. Wir haben mit einem Prozessbeobachter gesprochen.

Die ursprünglichen drei Verteidiger von Beate Zschäpe, der Hauptangeklagten im NSU-Prozess, haben deren sofortige Freilassung gefordert. Zu Beginn seines Plädoyers sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München, Beate Zschäpe sei "keine Terroristin, keine Mörderin und keine Attentäterin". Sie sei "wegen aller angeklagter Staatsschutzdelikte freizusprechen und unverzüglich freizulassen".

Mord, Anschläge und Überfälle

Sie ist angeklagt wegen Mittäterschaft an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen. Außerdem wird ihr Brandstiftung im letzten Versteck des Trios, einer Wohnung in Zwickau, vorgeworfen.

"Die Altverteidiger sagen: Ja, diese Brandstiftung, die kann man ihr zurechnen, aber das sei keine schwere Brandstiftung. Das war nur eine einfache Brandstiftung."
Thies Marsen, Journalist beim BR

Wolfgang Heer sagte, seine Mandantin habe "keine Morde geplant, sie hat keine Waffen beschafft, sie hat an den Taten insgesamt nicht mitgewirkt." Beate Zschäpe sei nicht einmal in der Nähe eines Tatorts gewesen und habe  "die Taten von Mundlos und Böhnhardt auch nicht vom Küchentisch geplant".

Wolfgang Heer fordert Freilassung

Als wesentliche Tat sei der 43-Jährigen nur die Brandstiftung vorzuwerfen, die anders als von der Anklage behauptet keine schwere Brandstiftung gewesen sei. Wolfgang Heer sagte, er werde keine konkrete Strafmaßforderung stellen. Da für Brandstiftung aber maximal zehn Jahre Haft drohten und Beate Zschäpe sich in gut sechs Jahren Untersuchungshaft tadellos verhalten habe, müsse ihr Haftbefehl umgehend aufgehoben und sie freigelassen werden.

"Es ist ungewöhnlich, dass es überhaupt zwei Verteidigerfraktionen gibt. Das ist ziemlich außergewöhnlich in der deutschen Rechtsgeschichte."
Thies Marsen, BR-Journalist

Wolfgang Heer bildet zusammen mit den Rechtsanwälten Wolfgang Stahl und Anja Sturm das Trio aus Pflichtverteidigern, das Beate Zschäpe seit Beginn des NSU-Prozesses im Mai 2013 verteidigt. Allerdings überwarf sich Beate Zschäpe im Lauf des Verfahrens mit ihren Pflichtverteidigern und wird nun auch noch von zwei Wahlverteidigern vertreten. Diese forderten maximal zehn Jahre Haft, auch sie sehen im Wesentlichen nur die Brandstiftung als erwiesen an.

Das Plädoyer soll voraussichtlich bis einschließlich Donnerstag dauern. Es ist das letzte nach den Strafmaßforderungen von Bundesanwaltschaft, Nebenklägern, der anderen Zschäpe-Verteidiger und der Verteidiger der vier angeklagten mutmaßlichen NSU-Helfer. Die Staatsanwaltschaft forderte für Beate Zschäpe lebenslange Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

"Wenn das so weiter geht, wird sich das sicher noch in die nächste Woche ziehen."
Thies Marsen, BR-Journalist

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