Für den Anbau von Haselnüssen setzen Landwirte in Chile offenbar Pestizide ein, die krebserregend und in der EU verboten sind. Ein Problem ist, dass die Kontrolle von Zulieferfirmen so schwer fällt. 

Ein großer Teil der Haselnüsse, die in der Schokocreme Nutella verarbeitet werden, kommt auch Chile. Wegen der guten klimatischen Bedingungen steigt der Anbau von Haselnüssen dort seit Jahren kontinuierlich. Das Geschäft ist lukrativ für Bauern wie Jorge Uslar, der seit 2007 Haselnussplantagen betreibt, und das Geschäft weiter ausbauen will. 

Häufig im Einsatz: Glyphosat und Paraquat

In der Maule-Region befindet sich der größte Teil der etwa 20.000 Hektar, die landesweit mit Haselnussbäumen bepflanzt sind. Dies ist aber auch die Region des Landes, in der die meisten Menschen an Magenkrebs sterben. María Muñoz erforscht an der Katholischen Universität in Talca die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Maule-Region. Sie sagt, es gebe zwei gefährliche Herbizide, die in der Region häufig angewendet würden. 

"Glyphosat und Paraqquat werden hier eingesetzt. Beide sind gefährlich, aber Paraquat ist noch schädlicher und es ist nachgewiesen, dass es Krebs verursacht."
María Muñoz, Katholische Universität in Talca über den Einsatz von Herbiziden auf Haselnussplantagen in der Maule-Region

Der Einsatz von Paraquat sei in Chile noch nicht ganz verboten, sagt María Muñoz. Sie berichtet, dass Erntehelfer häufig keine Schutzkleidung trügen und meistens gar nicht wüssten, mit welchen Substanzen sie arbeiten. Außerdem, so sagt sie, seien viele Schulen gleich neben den Plantagen und würden nicht vorgewarnt, wenn Pestizide eingesetzt werden.

Erntehelfer leiden an Vergiftungen

Paraquat wird von Landwirten gerne eingesetzt, weil es günstiger und effektiver ist als Glyphosat, sagt María Elena Rozas, die kürzlich einen Bericht über den Einsatz von Pestiziden in Chile verfasst hat. Demnach sind 400 Pestizide in Chile registriert, von denen mehr 100 von der Weltgesundheitsorganisation und den Vereinten Nationen als hochgefährlich eingestuft werden. Paraquat sei eins davon. 

Lázaro Aburto ist ehemaliger Erntehelfer in der Maule-Region. Er bestätigt den Einsatz von Paraquat und berichtet von Krankheitsfällen. 

"Es gibt immer wieder Arbeiter mit Vergiftungen. Aber die Leute verstecken ihre Krankheiten aus Angst, dass die Unternehmen ihnen keine Arbeit mehr geben."
Ehemaliger Erntehelfer über Krankheitsfälle

Agrichile ist die chilenische Tochterfirma von Ferrero. Die Firma streitet die Vorwürfe ab und beteuert per Mail, dass seit 2014 kein Paraquat mehr auf den Haselnussplantagen eingesetzt werde. Außerdem würde von Zulieferern verlangt, auf den Plantagen keine der Pestizide einzusetzen, die in der Europäischen Union verboten sind.  

Agrichile bezieht rund zwei Drittel seiner Haselnüsse von Zulieferern. Allerdings ist fraglich, ob diese 300 Zulieferer ausreichend kontrolliert werden können. Bislang bleibt es bei der Forderung von Experten nach mehr Kontrollen, sowohl von staatlicher als auch von unabhängiger Seite. 

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