Seit dem 11. Mai sind die Fitnessstudios in Nordrhein-Westfahlen wieder geöffnet. Auch, wenn sich viele Betreiber bemühen, das Risiko so klein wie möglich zu halten: Das Sporttreiben in geschlossenen Räumen ist risikoreicher als an der frischen Luft.

Nach der langen Zeit zu Hause auf der Couch dürfte das Bedürfnis nach Bewegung bei vielen groß gewesen sein. In den meisten Bundesländern haben die Fitnessstudios wieder aufgemacht und selbst die relativ strengen Auflagen halten Sportlerinnen und Sportler nicht ab.

Umfassende Auflagen

Zwei Tage hatten Christian Olzsewski, Bezirksleiter einer Fitnessstudio-Kette in Köln, Zeit, die Auflagen der Coronaschutzverordnung von Nordrhein-Westfahlen in seinem Studio umzusetzen.

Dabei müssen die Geräte beispielsweise mit drei Metern Abstand zueinander aufgestellt werden, die Trainingseinheiten dürfen maximal 75 Minuten lang sein und müssen von den Sportlern und Sportlerinnen vorher online gebucht werden. Zwischen den Einheiten reinigt das Personal alle Räume und Oberflächen. Kommen darf nur, wer bereits seine Sportklamotten trägt. Vor und nach dem Besuch stehen elektronische Desinfektionsmittelspender an den Ein- und Ausgängen bereit.

Nicht so viel Atmen: Kein High-Intensity-Training

Am wichtigsten ist jedoch: Kein High Intensity Training, bei dem viel und heftig geatmet wird. Deswegen bleiben im Kölner Fitnessstudio vorerst der Indoor-Cycling-Raum und andere Kursräume geschlossen. Das Kraft- und Muskelstraining, das sich im niedrigeren Puls-Bereich bewegt, ist dagegen erlaubt. So könne man die Menge der ausgeatmeten Aerosole so klein wie möglich halten, sagt Christian Olzsewski.

"Wir gehen nicht auf dieses High-Intensity-Training, sondern agieren wirklich im niedrigen Pulsbereich, natürlich vor allem im Bereich Krafttraining und Muskeltraining. Da halten wir das Abatmen dieser Aerosole absolut im Minimumbereich."
Christian Olzsewski, Bezirksleiter einer Fitnessstudio-Kette in Köln

Auch der Sauna- und Duschbereich sind deshalb erstmal gesperrt.

Das Risiko bleibt hoch

Trotz dieser und weiterer Schutzmaßnahmen bleibe das Fitnessstudio ein besonderer Ort für Viren, sagt Andreas Podbielski, Institutsdirektor für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Rostock. Denn anders als in Restaurants werde in Fitnessstudios beim Sport heftig und tief ein- und ausgeatmet.

"Anders als in Restaurants, haben wir in Fitnessstudios das Problem, dass sich Leute ausgiebig bewegen und entsprechend auch heftig atmen müssen."
Andreas Podbielski, Institutsdirektor für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Rostock

Durch das intensivere Einatmen bestehe die Gefahr, dass die Sars-CoV-2-Erreger sofort in die tieferen Atemwege gelangen, was zu einer Lungenentzündung führen kann. Es fehle zwar noch eine breitere Datenlage, jedoch gebe es schon Studien, die diese Schlussfolgerungen nahelegen, sagt Andreas Podbielski.

Je anstrengender der Sport, desto mehr Aerosole

Eine nicht-repräsentative Studie aus dem Fachmagazin Emerging Infectious Diseases untersuchte beispielsweise Infektionsausbrüche in einem südkoreanaischen Fitnessstudio. Dort hatten sich in Tanzkursen mit infizierten Trainerinnen viele Teilnehmer angesteckt. Eine besonders hohe Ansteckungsquote mit 60 Prozent konnte in einem anstrengenden Tanzkurs festgestellt werden. Dagegen infizierte sich in der gleichen Zeit keiner der Teilnehmer eines entspannteren Yoga-Kurses.

Daher liegt die Schlussfolgerung nahe: Je anstrengender eine Sportart und je kleiner der Raum ist, desto höher ist die Aerosolbelastung in der Luft und desto mehr Infektionen können dadurch auftreten.

Sport mit Mund-Nasen-Schutz

Für Andreas Podbielski ist deshalb der Mund-Nasen-Schutz in Fitnessstudios ein absolutes Muss, an das sich alle korrekt halten sollten.

"Einen Mund-Nasen-Schutz halte ich in einem Sportstudio tatsächlich als absolut unerlässlich und zwar von allen korrekt getragen."
Andreas Podbielski, Institutsdirektor für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Rostock

Aber hört man sich unter den Fitnessstudio-Besuchern und -Besucherinnen um, hört man, dass gar nicht alle vorhaben, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Darauf angesprochen heißt es, er störe beim Trainieren und man sei ja sowieso auf Abstand.

Klar: Das Atmen mit einer Maske beim Sport ist schwerer also ohne, erklärt der Mediziner Andreas Podbielski. Das liege an den Filtern. Je besser die Filter der Maske seien, desto schwere sei es, durch diese Filter ein- und auszuatmen; Filter, die etwas taugen sollen, hätte nun einmal einen Widerstand.

"Je besser wir uns mit Filtern auf unseren Atemwegen schützen, umso schwerer wird die Atemarbeit, denn wir müssen die Luft durch diese Filter durchbewegen."
Andreas Podbielski, Institutsdirektor für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Rostock

Wer also weiterhin auf Nummer Sicher gehen und ohne Maske tief durchatmen möchte, sollte mit den Gang zum Fitnessstudio noch warten und lieber weiterhin an der frischen Luft Sport treiben. Denn dort verdünnen sich zum einen die Aerosole mit frischen Luftpartikeln, zum anderen sorgt die UV-Strahlung dafür, dass die Viren schneller unschädlich gemacht werden.

Am allerbesten wäre es natürlich, wenn wir in einem Open-Air-Fitnessstudio trainieren könnten.