Die rechtskonservative Regierung in Österreich plant den 12-Stunden-Tag für Arbeitnehmer. Die Wirtschaftskammer hat dazu ein Imagevideo veröffentlicht. Das kommt bei vielen aber gar nicht gut an.

Eine knallbunte Knetfigurenwelt auf einer Scheibenwelt. Klingt nach einem niedlichen Kindervideo, ist aber ein Imagevideo der österreichischen Wirtschaftskammer. In dem Youtube-Clip laufen die Knetfiguren glücklich durch eine pastellfarbene Welt, reparieren Sachen, sitzen am Schreibtisch - und finden den 12-Stunden-Tag einfach nur großartig!

"Einmal länger hackeln gehen,
wenn's das Geschäft verlangt,
was der Chef dir mit mehr freier Zeit dankt.
Und zwar dann, wenn du sie brauchst,
eben für deine Sachen.
Einfach Zeit haben zum kurz mal Urlaub machen."

Die Kommentare unter dem Video zeigen: So richtig gut kommt das Imagefilmchen bei vielen Österreichern nicht an - Man könnte das auch gut einen Shitstorm nennen. Das hat die Wirtschaftskammer dann auch gemerkt und die Nutzer gebeten, die Diskussion doch bitte auf Facebook weiterzuführen.

Screenshot des Kommentars unter dem Youtube-Video vom 20.06.2018

Und so soll die Regelung in Österreich aussehen:

  • Der bisherige 8-Stunden-Tag bleibt die gesetzliche Normalarbeitszeit. 
  • Arbeitnehmer sollen 12 Stunden pro Tag arbeiten können, maximal 60 Stunden pro Woche. 
  • Die 4-Tage-Woche wird ermöglicht. 

Die längere Arbeitszeit soll freiwillig sein, Arbeitnehmer sollen diese elfte und zwölfte Stunde auch ablehnen können. Zum Beispiel aus persönlichen Gründen, wie zum Beispiel fehlende Kinderbetreuung oder ein Arzttermin. Ob Arbeitnehmer sich das aber auch trauen, ist eine andere Frage. Opposition und Gewerkschaft kritisieren, dass es keine wirkliche Freiwilligkeit gebe. 

Bislang ist auch nicht klar ist, ob diese Mehrstunden als Überstunden bezahlt werden, so wie es im Imagefilm besungen wird. 

12-Stunden-Tag familienfreundlicher?

Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meint hingegen zur "Arbeitszeitflexibilisierung", wie der Plan offiziell heißt: Viele Bauarbeiter würden so ein Modell gerne nutzen, weil sie dann bereits Freitag frei nehmen könnten und mehr Zeit für die Familie hätten. - Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird auch im Knetmännchen-Video filmisch aufbereitet.

"Mit flexiblen Arbeitszeiten,
kannst du es dir besser aufteilen,
und musst dich nicht mehr wie üblich
nicht mehr täglich zweiteilen"
Text aus dem Imagevideo der Wirtschaftskammer Österreich

Zu dieser Textpassage fliegt dann eine Mama mit ihrem Privatflugzeug mal eben im Kindergarten vorbei. 

Hauptsache, der Wirtschaft geht's gut

Außerhalb der Knetmännchen-Welt soll es so sein, dass

"Geht’s dem einen Gut, dann geht’s uns allen gut.
Das will ja jeder, das ist doch klar.
Schaun wir aufeinander und nach vorn mit Mut,
dann rennt's für Österreich ganz wunderbar"
Text aus dem Imagevideo der Wirtschaftskammer Österreich

Auch das kommentieren die Nutzer unter dem Video entsprechend: "Gehts der Wirtschaft gut, gehts der Wirtschaft gut ...", ist einer von den harmloseren Kommentaren dort.

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