Wir alle wissen zu wenig über die Folgen von Stress am Arbeitsplatz, sagt eine neue Studie. Chronischer Stress kann krank machen. Damit es nicht so weit kommt - hier ein paar Tipps.

Chronischer Stress erhöht das Herzinfarktrisiko, begünstigt Rückenschäden oder führt zu psychischen Problemen. Und es gibt noch weitere Folgen, die weniger bekannt sind: Stress kann etwa die Wundheilung des Körpers verschlechtern oder Demenz im Alter fördern.     

Stress haben viele von uns vor allem bei der Arbeit. Über die Konsequenzen aber wissen wir noch zu wenig - das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie der Universität Duisburg-Essen, die sich unsere Reporterin Rahel Klein angesehen hat.

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Wir gewöhnen uns nicht an überlange Arbeitstage

Mit einem Quiz wollten die Wissenschaftler den Wissensstand bei Führungskräften, Arbeitsschutzexperten und Beschäftigten abfragen: Dass Menschen, die regelmäßig mehr als 10 Stunden am Tag arbeiten, ein höheres Risiko für eine Frühverrentung haben, das wussten immerhin Dreiviertel der Teilnehmer. Aber nicht einmal die Hälfte wusste, dass man eher dazu neigt, Antidepressiva und Aufputschmittel zu nehmen. Und 10 Prozent meinen sogar, dass sich der Körper an überlange Arbeitszeiten gewöhnt - was natürlich nicht stimmt.

"Das Wissen über die negativen Stress-Folgen ist bei allen 'noch ausbaufähig'. Vor allem aber bei den Führungskräften. Die haben am wenigsten Ahnung von einer gesunden Arbeitsgestaltung."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rahel Klein über die Studie

Sich mal gaaanz lang machen

Mit regelmäßigen Pausen tun wir schon sehr viel gegen alltäglichen Stress im Job. Gesetzlich steht uns nach sechs Stunden Arbeit eine Pause von 30 Minuten zu. Zwischendurch immer mal wieder kurz vom Schreibtisch aufzustehen hilft aber auch, sagt Experte Lars Adolph.

"Ideal wäre es zum Beispiel, Fünf-Minuten-Pausen pro Stunde mit Lockerungs- und Dehnungsübungen zu praktizieren. Da schaut man dann nicht auf den Bildschirm und tut etwas für seine Gesundheit, das Muskel-Skelettsystem."
Lars Adolph von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

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Zeitmanagement gegen das Chaos

Es kann außerdem helfen, die Arbeit gut zu organisieren: Wenn wir uns Tages-, Wochen- oder Monatspläne machen, wissen wir genau, was wir wann zu tun haben. Wer morgens fitter ist, der legt sich komplexe Aufgaben auf den Vormittag und widmet sich am Nachmittag eher den Routine-Jobs.

Auch der Arbeitgeber muss darauf achten, dass seine Angestellten nicht mit der Arbeit überfordert sind, sagt Lars Adolph:

"Das kann in der Praxis bedeuten, dass man per Interview, Fragebogen oder in einer Gruppendiskussion erarbeitet, was die Stressfaktoren am Arbeitsplatz sind, und welche Maßnahmen man ergreifen kann, um sie zu lindern."
Lars Adolph von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Auch nach dem Feierabend können wir natürlich was tun, um unser Stresslevel zu senken: ein Spaziergang oder Sport sind gut, Freunde treffen und soziale Kontakte pflegen. Oder ein kleines Nickerchen machen. Denn auch ein Kurzschlaf von zehn bis zwanzig Minuten kann entspannen, sagen die Studienleiterinnen der Universität Duisburg-Essen.

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