Bei der Ski-WM in Frankreich haben sich rund 150 Athletinnen und Athleten zusammengetan und einen offenen Brief an den Ski-Weltverband FIS geschrieben: Sie fordern, dass der Verband transparenter, nachhaltiger und bis 2035 klimaneutral ist.

Bei der Ski-Weltmeisterschaft in Courchevel und Méribel in Frankreich geht es vielen Ski-Profis gerade nicht nur um die Medaillen. Rund 150 von ihnen haben einen Offenen Brief an ihren eigenen Weltverband unterzeichnet, darunter zum Beispiel auch Mikaela Shiffrin, die erfolgreichste Skifahrerin der Weltcupgeschichte.

Die Athlet*innen werden sehr konkret:

  • Bis 2035 soll der Verband klimaneutral sein, ohne Kompensation.
  • Die FIS soll eine Nachhaltigkeitsabteilung einrichten, eine Nachhaltigkeitsstrategie vorlegen und sich unabhängig kontrollieren lassen.
  • Der Verband soll seine Arbeit vollständig transparent machen.

Der Verband sei als erster weltweit bereits jetzt schon klimapositiv, sagt FIS-Präsident Johan Eliasch: Die FIS schütze Regenwald im peruanischen Amazonasgebiet vor der Abholzung und kompensiere damit mehr CO2, als sie verursacht. Der Initiator des offenen Briefs, der Österreicher Julian Schütter, bezweifelt das.

"Es ist halt nichts öffentlich, es ist nichts transparent, man findet keine Angaben dazu, wie viel Regenwald, wo der überhaupt ist, wie viel sie da investieren. Wie viel CO2 die FIS überhaupt ausstößt als Organisation."

Die ARD-Sportschau und auch Schütter selbst haben bei der FIS nachgehorcht, aber bisher keine Antwort bekommen. Pikant ist Johan Eliaschs Doppelrolle: Er ist nicht nur FIS-Chef, sondern auch Mitgründer und Vorsitzender der NGO "Cool Earth", von der sich die FIS beraten lässt und mit deren Hilfe sie den eigenen CO2-Fußabdruck angeblich überkompensiert.

Es ist generell umstritten, ob die Logik, auf der einen Seite Regenwald zu erhalten, um damit auf der anderen Seite die eigene Klimabilanz herunterzurechnen, legitim ist und am Ende zum Begriff "klimaneutral" führen sollte.

Umsetzbare Vorschläge

Genau deshalb fordern die Ski-Sportler*innen, selbst viel weniger CO2 zu verursachen. Und sie haben konkrete Ideen, wie sich das umsetzen ließe.

  • Die Saison müsste nach hinten verschoben werden.
  • Der Rennkalender müsste geografisch angepasst werden.
  • Die nationalen Verbände müssten zur Nachhaltigkeit verpflichtet werden.
  • Die Weltcups und Veranstaltungen müssten sich wandeln – mit einem besserem ÖPNV-Angebot für die Zuschauer*innen, klimafreundlichem Catering usw.
"Wenn man Wintersport weiter betreiben will, dann muss man das Klima schützen, fertig. Von daher müssten eigentlich Wintersportler durch die Bank die größten Klimaaktivisten sein."

Einige dieser Ideen sind sogar recht schnell umsetzbar – und viele auch nicht neu: Die Saison nach hinten zu verschieben und auch insgesamt weniger Rennen zu machen, hat etwa schon der Direktor des Deutschen Skiverbands vorgeschlagen. Die Saison könnte Anfang oder Mitte November losgehen und dann bis Mitte März dauern.

Ski-Weltcup im Oktober

Die ganz frühen Rennen, etwa das Weltcup-Rennen in Sölden in Tirol (22./23. Oktober 2022), waren ohnehin bereits hoch umstritten in dieser Saison: grüne Wiesen mit einer weißen Kunstschneepiste in der Mitte. Um sich für solch frühe Rennen fit zu machen, müssen die Athlet*innen im Sommer auf die Gletscher zum Training, erklärte damals der deutsche Skirennläufer Thomas Dreßen.

"So früh wie die Rennen losgehen, ist der Druck noch viel mehr da, dass du schon früh konkurrenzfähig bist. Wir trainieren das ganze Jahr dafür, dass wir Rennen fahren können. Aber es muss halt auch möglich sein weiterhin."

Und ein ziemlich einprägsames Beispiel, was den geografischen Rennkalender angeht: Für die Männer ging es im Dezember nach Beaver Creek (USA) und im Februar starten sie in Aspen – beide Veranstaltungsorte liegen im US-Bundesstaat Colorado, kaum zwei Stunden Autofahrt voneinander entfernt. Die Teams aus aller Welt jetten also zweimal von Europa in die Staaten und zurück, anstatt die Rennen nacheinander stattfinden zu lassen.

Der eigene Sport geht kaputt

Expert*innen sagen: Am Ende machen diese Prozesse den eigenen Sport schneller kaputt: Immer mehr Rennen werden abgeblasen, weil der Schnee fehlt. Ende des Jahrhunderts seien, wenn wir nichts tun, entweder nur noch ein Drittel der jetzigen Skigebiete in Österreich schneesicher – oder zwei Drittel, wenn wir Klimaschutz betreiben, so Robert Steiger von der Universität Innsbruck in der Sportschau.

Die FIS sieht das offenbar etwas anders: FIS-Präsident Eliasch hat zuletzt noch von Training in Skihallen in Dubai geträumt. In einer Skihalle in einem Einkaufszentrum fanden dort bereits zweimal unterklassige FIS-Wettbewerbe statt. Weitere Hallen sollen folgen.

  • Kurz und Heute
  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova