Wikipedia.org ist eine der beliebtesten Seiten überhaupt. Funktionieren ihre Filter? Das haben wir mit einem Probeartikel in der Enzyklopädie ausgetestet.

Wikipedia ist eine der  am häufigsten aufgerufenen Webseiten der Welt. Betreiber ist allerdings kein Unternehmen, sondern eine Stiftung. Die Enzyklopädie gilt als unabhängig, weil sie keine Gewinne erwirtschaften muss, sondern sich hauptsächlich über Spenden finanziert.

Wikipedia bekommt allerdings eine Menge Geld von Großkonzernen – unter anderem von Google und Amazon. Auch deswegen haben unsere Autoren Lena Breuer und Christian Schmitt die Funktion der Enzyklopädie mit einem kleinen Experiment getestet.

Dazu hat Lena einen Wikipedia-Eintrag über ihren Bekannten Klaus Friese geschrieben. So will sie herausfinden, wie gut die Relevanzkriterien der Seite funktionieren. Klaus Friese ist Fotograf, aber als Person nicht gerade berühmt. Das bestätigt er selbst.

"Ich bin nicht total unbekannt, bin aber noch keine Person des öffentlichen Lebens, in dem Sinne, dass ich nach Autogrammen gefragt werde. Ich habe aber schon einiges vorzuweisen."
Klaus Friese, Fotograf

An der Online-Enzyklopädie arbeiten verschiedene Gruppen von Freiwilligen mit. Sie prüfen auch den Artikel über Klaus Friese. Ihre Aufgabenbereiche sind erstaunlich weit ausdifferenziert

  • Autoren, die schreiben.
  • Putzer, die Fakten prüfen.
  • Techies, die programmieren.
  • Vandalenjäger, die mutwillige Zerstörer von Artikeln aufspüren und sperren.

Für zwei Tage steht der Artikel über Klaus Friese beinahe unverändert online. Der Artikel über den kaum bekannten Fotografen wird nur leicht bearbeitet. Wikipediaautoren fügen zusätzliche Links an und nehmen kleine Änderungen vor.

Zwei Tage bis zur Löschung

Dann wird der Artikel allerdings rasch zur Löschung vorgeschlagen und schließlich auch gelöscht. Der Eintrag und auch die Person Klaus Friese sei für die Online-Enzyklopädie letztlich irrelevant. Der Wikipediaautor Achim Raschka erklärt, dass die Filter der Online-Enzyklopädie letztlich  Entscheidungen der Community sind.

"In der ständigen Diskussion der Leute miteinander entscheiden sie, was denn jetzt die Grenze zwischen Relevanz und Irrelevanz ausmacht."
Achim Raschka, Wikipediaautor

Mehr zur Wikipedia bei Deutschlandfunk Nova:

  • Dominik Scholl von Wikimedia Deutschland: "Einer weiß viel, alle wissen alles" | Meterweise Enzyklopädien im Bücherregal. So sah Wissen noch bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts aus. Heute tragen wir das alles in der Hosentasche mit uns herum. Dominik Scholl erklärt im Hörsaal-Vortrag die Ziele und die Arbeitsweise von Wikimedia.
  • Online-Enzyklopädie: Mr. Wikipedia (von 2014) | Der 32-jährige Amerikaner Justin Knapp hat in seiner Freizeit etwas gemacht, wovon wir alle profitieren: Unter dem Usernamen "koavf" hat er bei Wikipedia inzwischen 1.485.342 Edits, also Veränderungen von Wikipedia-Artikeln verfasst. Damit ist er der aktivste Autor in der Geschichte der Enzyklopädie.