Saatgut zu patentieren, bietet für große Konzerne die Möglichkeit, sich Macht zu sichern, indem sie den Markt kontrollieren. Als Alternative dazu gibt es Initiativen, die sich für Open-Source-Saatgut stark machen.

Wenn Züchter*innen verhindern wollen, dass ihre Saatgut-Sorten von anderen genutzt werden, um damit beispielsweise neue Sorten zu züchten, haben sie die Möglichkeit diese patentieren zu lassen.

"Wir haben im internationalen Saatgutmarkt eine sehr große Machtkonzentration."
Julia Tschersich, Juniorprofessorin an der Uni Utrecht

Der internationale Markt wird durch drei Konzerne kontrolliert, die sich die Patentrechte an 60 Prozent des Saatguts-Sektors und 70 Prozent der Pestizide gesichert haben. Dadurch können sie großen Einfluss auf das gesamte Ernährungssystem ausüben, sagt die Juniorprofessorin Julia Tschersich von der Uni Utrecht.

Saatgut-Markt stark privatisiert und monopolisiert

Diese Konzerne konzentrieren sich auf Hochleistungssorten, die hohe Erträge und ihnen selbst hohe Gewinne bringen. Das könnte aber im Kontext der Klimaerwärmung in Zukunft ein Problem für die Ernährung der Menschheit darstellen. Denn durch den Fokus auf ertragreiche Hochleistungssorten nimmt die Vielfalt und die Anpassungsfähigkeit an Umweltbedingungen tendenziell ab.

Aber: Dass Konzerne mit ihrem Saatgut generell Gewinn machen können, ist auch von Vorteil. Andreas Graner, Professor am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, sagt: "Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, das eine Produktentwicklung oder die Entwicklung verbesserter Sorten dauerhaft gewährleistet werden kann, wenn diejenigen, die Entwicklungsaufwand und Züchtungsaufwand investieren, diese Investitionen nicht wieder zurück gewinnen können.“

Open-Source-Saatgut als Allgemeingut

Ein Gegenmodell bieten Ökobauern und Open-Source-Saatgut-Initiativen, die sich für mehr biologische und genetische Diversität auf den Äckern einsetzen. Sie betrachten Pflanzensamen als Allgemeingut, das alle Menschen nutzen und züchten dürfen sollten. In Deutschland ist das zum Beispiel die Initiative Open Source Seeds.

Neue Sorten züchten

Diese Initiative stellt auf ihrer Website eine Liste bereit, auf der zum Beispiel Saatgut für Open-Source-Tomaten oder -Kartoffeln zu finden ist. Dort befinden sich Links, die zu den einzelnen Züchter*innen führen, die das Saatgut vertreiben.

Was diese Initiativen an Züchtungen mit konventionellen Sorten hindert: Oft ist die Rechtslage kompliziert ist, und Gerichte müssen entscheiden, ob eine neue Sorte gegen ein Patent verstößt.

Mit Open-Source-Saatgut dagegen haben Züchter*innen jenseits der großen Saatgut-Konzerne öfter die Möglichkeit, neue Sorten zu züchten oder bestehende anzupassen.

"Wir brauchen im Bereich des Saatguts Vielfalt – biologische Diversität, genetische Diversität. Und diese Vielfalt kann der Privatsektor nicht liefern oder immer weniger liefern."
Johannes Kotschi, Initiative "Open Source Seeds"

Open-Source-Saatgut kann nicht in großem Stil genutzt werden

Wenn Open-Source-Saatgut in großem Stil genutzt werden würde, müsste das gesamte Agrarsystem im globalen Norden umgestellt werden. Denn in der Regel interessieren sich die meisten konventionellen Landwirt*innen nicht dafür, neue Sorten zu züchten. Sie setzen auf Hochleistungssorten, damit die Erträge stimmen.

Für kleine Initiativen oder viele Länder im globalen Süden finden Agrar-Expert*innen den Ansatz, Open-Source-Saatgut zu nutzen, wiederum sinnvoll. Denn viele dieser Landwirt*innen tun beides: Sie bauen Sorten an und züchten diese gleichzeitig auch.