Europaweit feiern Drogenfahnder derzeit beachtliche Erfolge: 25 Tonnen Kokain wurden allein in diesem Halbjahr sichergestellt, 20 Drogenbosse festgenommen und Unmengen an Bargeld sichergestellt. Im Zentrum der Ermittlungen stehen die Niederlande. Über Jahrzehnte habe sich hier eine perfekte Infrastruktur für die Organisierte Kriminalität gebildet.

Es sind verstörende Bilder, die die Polizei in den Niederlanden veröffentlicht hat, als sie Anfang Juli eine Lagerhalle im Ort Wouwse Plantage in der südlichen Provinz Brabant durchsuchte. Hier stießen sie auf mehrere Schiffscontainer, die zu schall- und wärmeisolierten Gefängniszellen umfunktioniert wurden. Ein Container wurde höchstwahrscheinlich als Folterkammer eingerichtet - mit Zahnarztstuhl und diversen Folterwerkzeugen.

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Vor etwa zwei Monaten sei es französischen und niederländischen Beamten gelungen, speziell verschlüsselte Handys zu knacken und über hundert Millionen Chatnachrichten abzufangen, so der NDR-Journalist Benedikt Strunz. Daraufhin kam es europaweit Razzien, bei denen unter anderem 25 Tonnen Kokain und Waffen beschlagnahmt wurden. Vor allem in den Niederlanden habe sich über Jahrzehnte eine perfekte Infrastruktur für die Organisierte Kriminalität gebildet, sagt Benedikt Strunz.

"Die Niederlande entwickeln sich zu einer Art Narcos-Welt in Europa. Hier hat sich eine perfekte Infrastruktur für Organisierte Kriminalität gebildet."
Benedikt Strunz, NDR-Journalist

Beispielsweise sei es für Kriminelle möglich, in den Niederlanden verschiedene Dienstleistungen für bestimmte Aufgaben in Anspruch zu nehmen. So gebe es Gruppen, die darauf spezialisiert seien, Kokain aus dem Hafen zu schmuggeln, andere Gruppen, die die Drogen lagern, wieder andere Gruppen, die Drogengelder waschen. Auch gebe es Auftragsmörder oder Leute, die Chemikalien besorgen für die Drogenproduktion, Kurierfahrer und IT-Spezialisten, die sich um verschlüsselte Kommunikation kümmern, sagt Benedikt Strunz.

Von den Niederlanden in die ganze Welt

Der Journalist berichtet von Recherchen, die zeigen, dass in den Niederlanden Kriminelle aus ganz Europa zusammenfinden, Deals aushandeln, Waffenlieferungen besprechen, sich Kontakte zuschieben. Aber auch mexikanische oder libanesische Geldwäscher seien vor Ort, die sich darauf spezialisiert hätten, die Drogengelder in einem global verzweigten Netzwerk außer Landes zu schaffen.

"Dann springen da mexikanische oder libanesische Geldwäscher rum, die sich darum kümmern, in einem global verzweigten Netzwerk, die Gelder zurück zu transferieren."
Benedikt Strunz, NDR-Journalist

Insgesamt habe sich der Drogenmarkt stark verändert, sagt Benedikt. Die sichergestellten 25 Tonnen Kokain würden zeigen, dass heute viel größere Mengen des weißen Pulvers auf den Markt drängen. Das gelte für Europa insgesamt aber auch die Funde in Deutschland, wie die in Hamburg oder in Bremerhaven zeigen würden.

Synthetische Drogen für den globalen Markt

Speziell was synthetische Drogen wie Chrystal Meth betreffe, hätten sich die Niederlande zur absoluten Drogenküche entwickelt. Es gebe Hinweise darauf, dass die Produktion nicht nur auf den europäischen, sondern auf den globalen Markt abziele. Das Problem werde uns noch in Zukunft viele Sorgen bereiten, meint der Journalist. Trotz der gegenwärtigen Erfolge der Polizei, um die Organisierte Kriminalität nachhaltig einzudämmen, brauche es mehr Ermittler bei Zollfahndung und Polizei.