In Großbritannien hat der kleine  Max dafür gesorgt, dass über Organspende diskutiert wird. Jetzt wollen die Briten ein neues Gesetz: Wer keine Organe spenden will, muss widersprechen. Thomas Spickhofen, ARD-Korrespondent in London, erzählt, warum die Briten umdenken.

In Großbritannien gab es 2017 über 1500 Organspenden: So viele wie seit 28 Jahren. Das ist eine Steigerung um elf Prozent im Vergleich zu 2016. Die Zahl der Transplantationen liegt noch einmal höher, denn pro Organspende werden zumeist mehr Organe pro Spender entnommen und transplantiert.

Briten denken über System der Organspende nach

Die Diskussion über die Organspende läuft in Großbritannien seit einigen Monaten. Den Anstoß dafür gab der zehnjährige Max. Er musste zehn Monate auf ein Spenderherz warten. Über diese Zeit der Ungewissheit, seine Hoffnung und auch sein Leiden, sprach Max in verschiedenen Medien. "Er hat damit eine Welle der Anteilnahme ausgelöst", sagt unser London-Korrespondent Thomas Spickhofen.

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Auch die Politik reagierte und legte eine Gesetzesänderung vor: Sie soll Max' Gesetz heißen. Die Briten sollen sich nicht mehr für eine Organspende registrieren müssen - wie es in Deutschland der Fall ist. In Großbritannien soll künftig jeder als Organspender gelten, der nicht explizit widerspricht. Diese Regelung wird als Opt-Out-System bezeichnet. 90 Prozent der Briten sprechen sich dafür aus.

Die Familie muss einbezogen werden

In Großbritannien wird in die neue Regelung aber eine Hürde eingebaut. Wer nicht widerspricht gilt zwar als Organspender, aber im Falle des Todes, wird seine Familie gefragt, ob der Verstorbene tatsächlich seine Organe spenden wollte.

In Wales, einem Landesteil von Großbritannien, wurde diese Regelung bereits vor gut zwei Jahren eingeführt, sagt Thomas. Die Erfahrung dort zeigt, dass Familien seitdem intensiver über Organspende reden. Wenn Ärzte nach dem Tod eines Menschen mit dessen Familie über eine Organspende reden, treffen sie nun eher auf Hinterbliebene, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, so Thomas.

35 Prozent der Deutschen haben einen Organspende-Ausweis

In Deutschland wird die Organspende anders geregelt. Die Bürger müssen sich aktiv um einen Organspende-Ausweis kümmern. Laut Deutsche Stiftung Organtransplantation spendeten 2017 nach ihrem Tod 797 Menschen ihre Organe. Damit fiel erneut die Anzahl der gespendeten Organe und erreichte den niedrigsten Stand der Organspende der vergangenen 20 Jahre. Zugleich warten in Deutschland über 10.000 schwer kranke Patienten auf eine Organspende.

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