Ein Jahr sein Studium testen und zusätzlich andere Kurse belegen:  Die Hochschulrektorenkonferenz schlägt eine Art Mini-Studium-generale vor, um die Studienabbruchquoten zu senken und den Studierenden ein breiteres Wissen zu vermitteln. 

Peter-André Alt, Professor an der Freien Universität Berlin und Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, schlägt ein einjähriges Orientierungsjahr für Studentinnen und Studenten vor. Zum einen könnten sie darin probeweise das Fach studieren, für das sie sich eigentlich interessieren und dafür auch schon Leistungspunkte erwerben. Zum anderen können sie in dieser Zeit aber auch andere Fächer kennenlernen.

Orientierungsjahr als Mittel gegen Studienabbrüche

Peter-André Alt begründet seinen Vorschlag mit drei Thesen:

  1. Ein Drittel der Studierenden brechen ihr Studium ganz ab bzw. wechseln den Studiengang. "Besser wäre es ja, wenn sie sich direkt für das richtige Studienfach entscheiden", sagt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Mit einem Orientierungsjahr könnte man die Fachkulturen kennenlernen und "seine Studienfachentscheidung substanzieller begründen und dann fällen".
  2. "Wir erleben es oft, dass Studierende nach dem Bachelor zwar ein fachliches, aber kein übergeordnetes Wissen haben, das breite Überblickswissen", sagt er weiter. Auch das könnte in einem Orientierungsjahr vermittelt werden. Laut Peter-André Alt kontenriert man sich in Deutschland von Anfang an zu stark auf die Fachausbildung. Er verweist auf die USA und England, wo die breitgefächerte Ausbildung einen viel höheren Stellenwert hat.
  3. Universitäten beklagen häufig, dass Abiturienten zu große Lücken aufweisen, besonders im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich. Peter-André Alt: "Wir könnten mit einem Orientierungsjahr Kompetenzen auf ein ähnliches Niveau bringen und für einen fairen Start sorgen."
"Besser wäre es ja, wenn sich die jungen Menschen direkt für das richtige Studienfach entscheiden."
Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

Sollte ein Orientierungsjahr eingeführt werden, bedeutete dies im aktuellen Bologna-System, dass entweder die Bachelor- oder die Master-Dauer um ein Jahr verkürzt werden müsse - was nicht einfach ist.

"Wenn Sie an dem Bologna-System herumschrauben wollen, dann stellen Sie fest, dass das ein sehr starres System ist", sagt Peter-André Alt. Besonders für Natur- und Ingenieurwissenschaften sei ein einjähriger Master deutlich zu kurz, "Darüber müsste man dann sprechen."

Verkürzter Master: "für das Berufsleben keine gute Vorbereitung"

Auf das von Peter-André Alt angesprochene Problem geht auch der Mathematisch-Naturwissenschaftliche-Fakultätentag ein und formuliert: Ein verkürzter Master wäre weder für die Forschung noch für das Berufsleben eine gute Vorbereitung.

Wie immer bei Reformen rund um Studienkonzepte und -dauer: Es dauert lange, und es gibt viel Gesprächsbedarf.

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