Tausende Ortskräfte und Angehörige sind noch in Afghanistan. Viele können kein Geld verdienen. Die Lebensmittelknappheit im Land trifft sie besonders.

Ende August 2021 zogen die USA die letzten Soldaten aus Afghanistan ab und übergaben den Flughafen in Kabul den Taliban. Damit wurde es für das Ausland, unter anderem auch Deutschland, viel schwieriger, deutsche Staatsangehörige sowie afghanische Ortskräfte, die die Bundeswehr jahrelang unterstützt hatten, in Sicherheit zu bringen.

Stand Anfang Dezember, hatten rund 25.000 Menschen in Afghanistan von Deutschland die Zusage erhalten, einreisen zu können. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 7.000 Personen nach Deutschland gelangt, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Angaben des Innenministeriums. Die meisten Ortskräfte inklusive ihrer Angehörigen waren also noch in Afghanistan.

"Zu einigen, mit denen wir in Kontakt standen, haben wir den Kontakt verloren. Wir wissen nicht, was aus ihnen geworden ist."
Ruben Neugebauer, Initiative Luftbrücke Kabul

Ortskräfte in Afghanistan sind in Gefahr. Es wird von Exekutionen durch die Taliban berichtet. Außerdem verstecken sich viele aus Angst vor den Taliban. Sie können also kein Geld verdienen und dementsprechend keine Lebensmittel kaufen. Von der Hungersnot in Afghanistan, über die wir kürzlich berichtet haben, sind sie besonders betroffen.

Die Bedrohungslage sei gerade sehr schwer einzuschätzen, sagt Ruben Neugebauer von Luftbrücke Kabul. "Deswegen ist es gerade erst mal für alle gefährlich." Er fordert eine schnelle Hilfe.

Rettungsversuche

Die deutsche Regierung, aber auch Hilfsorganisationen, versuchen immer noch Menschen aus Afghanistan zu holen, die unter der neuen Taliban-Herrschaft in Gefahr sind. Die Initiative Luftbrücke Kabul zum Beispiel hat nach eigenen Angaben über 1.000 Menschen geholfen, aus Afghanistan auszureisen.

Das klappt unter anderem per Linienflug oder über Land. Manche Menschen können nach Pakistan ausreisen, doch "die Lage ist dynamisch", sagt Ruben Neugebauer. So würden manche Wege heute funktionieren, morgen aber schon nicht mehr, weil sich die diplomatische oder politische Lage geändert hat. Manche ehemalige Ortskräfte versuchen selbst, aus Afghanistan heraus zu kommen.

"Viele ehemalige Sicherheitskräfte sind ermordet worden."
Ruben Neugebauer, Initiative Luftbrücke Kabul

Der neuen Bundesregierung bescheinigt Ruben Neugebauer einen größeren Willen, den verbliebenen Ortskräften zu helfen. Doch problematisch sei nach wie vor die große Bürokratie, die pragmatische Hilfe erschwere.

Generell könne in Afghanistan humanitäre Hilfe geleistet werden – und müsse auch, sagt Ruben Neugebauer, und zwar ohne Bedingungen, die an die Taliban gestellt werden. Es sei zwar "hochproblematisch", dass viele Menschen ihrer Rechte beraubt werden. "Es nützt aber niemandem, wenn ihnen dann auch noch der Zugang zu Essen verwehrt wird."