Viele Wasser und Schmutz abweisenden Outdoorklamotten enthalten umweltschädliche Chemikalien. Besser wären Stoffe, ganz ohne giftiges Fluor.

Wer viel draußen unternimmt, wie Wandern, Skifahren, Joggen oder Klettern, der braucht Funktionskleidung. Wenn man schwitzt oder es in Strömen regnet, ist das Gold wert. Funktionskleidung ist praktisch, sieht inzwischen auch teilweise ganz cool aus und kann einfach unglaublich viel. Vielleicht ein bisschen zu viel. Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man sich die Liste all der praktischen Funktionen dieser Kleidung anschaut und gegenhält, wodurch diese Funktionen erreicht werden. 

Chemikalien wurden in der Leber von Eisbären nachgewiesen

Damit unsere Outdoorjacken und -hosen so unwahrscheinlich wasser- und Schmutz abweisend werden, setzen die Hersteller Chemikalien ein. Chemikalien, die schlecht für die Umwelt sind. Die Kurzform davon ist PFC (Per- und polyfluorierte Chemikalien). Diese Chemikalien werden vor allem bei Goretex verwendet. "Da ist giftiges Fluor drin", fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler zusammen. 

"Das Problem ist, die Chemikalien werden in der Natur nur ganz langsam abgebaut und können Tieren und Menschen schaden."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova über die Nachteile von PFC

Die Chemikalien unserer Funktionsklamotten gelangen also in die Umwelt - sie wurden sogar schon in der Leber von Eisbären und im Blut von Menschen nachgewiesen. Außerdem können sie die Fortpflanzung beeinträchtigen, das Hormonsystem beeinträchtigen und Krebs fördern, sagt Sophie Stigler. 

Der Weg der Chemikalien in die Umwelt führt zum Großteil über die Produktion - in China zum Beispiel. Aber verschiedene Studien haben auch ergeben, dass die Stoffe aus unseren Funktionsjacken und -schuhen in der Luft verdampfen oder auch einfach abgerieben und abgewaschen werden. 

Brauchen wir wirklich Schmutz abweisende Wanderhosen?

Ein Forscherteam aus Schweden und Großbritannien stellt die Notwendigkeit der vielen Funktionen unserer Outdoor-Klamotten in einer Studie jetzt infrage und sagt: In der Vielzahl brauchen wir das alles nicht. 

Kleidung, die mit Fluor-Verbindungen behandelt wurde, brauchen eigentlich nur Menschen, die beruflich mit gefährlichen oder infektiösen Stoffen zu tun haben, denn die Chemikalien verhindern, dass sich Schmutz in der Kleidung festsetzt. Das heißt für Ölarbeiter oder Feuerwehrleute ist das interessant. 

Wer am Wochenende gerne Wandern geht, kann seine Klamotten auch einfach waschen, so die Forscher. - Wer jetzt aber mit der Stirn runzelt und sich denkt: Moment! Doch! Ich brauche das! Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. 

Umweltfreundliche Alternative für Fluor

Einige Hersteller haben bereits damit begonnen, andere Wasser abweisende Textilien zu entwickeln. Zwar ist auch hier giftiges Fluor drin, allerdings ist es anders gebunden, wodurch es für Mensch und Tier nicht so schädlich sein soll. Das ist allerdings umstritten, sagt Sophie Stigler. Es gebe auch Varianten ohne Fluor, die biologisch abbaubar sind. Diese seien von dem Forscherteam auch getestet worden, mit unterschiedlichen Ergebnissen allerdings. 

PFC nur schwer zu ersetzen

Gut abgeschnitten hat zum Beispiel ein Wachs, das schon in den Stoff integriert ist und Wasser abweisen soll. Zum Test haben die Forscher Flüssigkeiten auf Materialien tropfen lassen und sogar Tropfenform und Winkel bestimmt, in dem sie über das Material rollten. 

"Je runder der Tropfen, desto wasserabweisender ist der Stoff."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova über Wasser abweisende Eigenschaften von Materialien

Das Wachs war also eine umweltfreundliche, gute Alternative. Es gab aber auch einige Varianten, die im Test durchgefallen sind. Das muss man auch sagen. Öl, Kunstblut und künstliche Magensäure etwa lieferten keine guten Ergebnisse. Allzu leicht sind die alten PFC also nicht zu ersetzen. Aber es geht. 

Ebenfalls interessant: