Inzwischen können wir alles online bestellen, was unser Herz begehrt. Von Klamotten über Hundefutter, bis hin zu ganzen Wohnungseinrichtungen. Die Mitarbeiter von Paketdiensten sind am Limit. Und wir? Statt weniger zu bestellen, beschweren wir uns einfach mehr. 

Drei Milliarden Pakete werden in Deutschland pro Jahr verschickt. Tendenz steigend. Ein Hauptgrund für den Anstieg sind die großen Online-Versandhändler. Alleine im vergangenen Jahr hat der Online-Handel um 11 Prozent zugenommen, bestätigt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland. Da viele von uns tagsüber nicht zuhause sind, werden viele der Pakete nicht direkt beim Empfänger zugestellt. 

"Die Pakete gehen nach einer Woche zurück. Und dann ist es halt eine never ending story: Die Leute bestellen wieder, es wird wieder geschickt, wieder keine Benachrichtigung und so weiter."
Mitarbeiter in einem Postshop in einem Berliner Spätkauf

Das alte Lied: Pakete werden bei Nachbarn oder im Kiosk nebenan abgegeben. Dort liegen sie dann oft wochenlang herum. Immer mehr Empfänger beschweren sich bei der Bundesnetzagentur darüber, dass der Zusteller nicht geklingelt habe oder keine Benachrichtigung in den Briefkasten eingeworfen wurde. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bietet eine Webseite an, auf der sich Paketempfänger beschweren können: Post Ärger. Dort sind in zwei Jahren 28.000 Beschwerden aus ganz Deutschland eingegangen. 

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Seit 2013 hat sich die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur, der Aufsichtsbehörde für den Postmarkt, verdreifacht. Obwohl die Behörde relativ unbekannt ist, liegt die Zahl nun bei mehr als 4000. Dass die Zustellung vieler Pakete länger dauert und umständlich vonstatten geht, hat in erster Linie mit den schlechten Bedingungen der Beschäftigten zu tun. 

Schauen, wie man den Wagen leer bekommt

Zusteller, die bei der Post selbst angestellt sind, haben noch Glück. Für sie gilt der Post-Tarifvertrag. Die Post setzt aber auch auf eine ausgegliederte Gesellschaft und freie Subunternehmer. Die haben keinen Post-Tarifvertrag und werden laut einem Betriebsrat der Deutschen Post in den schwersten Gebieten eingesetzt. Das sind beispielsweise Gegenden mit vielen Hinterhöfen und Zweite-Reihe-Parkern. 

In der Regel muss ein Paketfahrer zwischen 150 und 300 Sendungen am Tag ausliefern - viele davon müssen in die oberen Stockwerke getragen werden. Das Pensum ist kaum zu bewältigen, sodass die Fahrer einfach schauen, wie sie das Auto leer bekommen können, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Robert Ackermann, der mit einem langjährigen DHL-Paketfahrer gesprochen hat. 

"Wenn Sie mit diesem Druck im Rücken losziehen und dann schon am Anfang merken: Das läuft nicht und ich werde die Pakete nicht los und ich muss eventuell noch um 16 Uhr eine Firma abholen, dann überlege ich mir schon: Ach, benachrichtige ich einfach. Der wird schon nicht da sein."
Ein langjähriger DHL-Paketfahrer

Durch den Boom des Onlinehandels verändert sich auch, was verschickt wird: beispielsweise auch viele schwere Sachen wie Katzenstreu oder ganze Schrankwände bis etwa 30 Kilo. Bei Hermes, UPS und Co. ist die Situation auch nicht besser. Im Gegenteil: Diese Firmen arbeiten noch viel mehr mit Subunternehmern als die Deutsche Post. 

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Deutsche Post bestätigt Zustellprobleme nicht

Die Deutsche Post sieht auch andere Gründe für den Anstieg der Beschwerden. Ihre Begründung: Die Zahl steige vermutlich, weil die Bundesnetzagentur bekannter werde. Die Deutsche Post beruft sich außerdem auf eine Studie: 80 Prozent der Befragten in Deutschland seien mit den Dienstleistungen des Unternehmens zufrieden. 

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Gerade Klamotten werden immer mehr per Versand gekauft und oft wieder umgetauscht. Die vielen Lieferungen führen zu mehr Verkehr in den Städten. In Deutschland hat der Güterverkehr inzwischen einen Anteil von 10 bis 15 Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen, zeigt eine Studie des Bundesverkehrsministeriums.

Sammellager am Stadtrand

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat gefordert, Sendungen von großen Versandhändlern zu Lagern am Stadtrand zu bringen. Von dort aus könnten diese dann gebündelt zugestellt werden, sodass die Transporter von der Deutschen Post, Hermes, DPD und UPS nicht nacheinander dieselbe Straße ansteuern. Die Versanddienstleister stehen diesem Lösungskonzept noch skeptisch gegenüber. 

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