Auch Einweg-Produkte können nachhaltig sein. Unsere Reporterin Kerstin Ruskowski bewertet ein Papp-Zelt, einen biologisch abbaubaren Einweg-Grill und eine Einweg-Flasche aus Plastik. Die Frage, ob man das Einweg-Produkt nach dem Benutzen recyclen kann, spielt eine Rolle. Oder der Vergleich der CO2-Bilanzen.

Grundsätzlich ist es selbstverständlich besser, Gegenstände mehr als nur einmal zu nutzen. Die Erfahrungen der letzten Jahre hat gezeigt, dass Festivalbesucher, die ein Mehrweg-Zelt aus Plastik gekauft haben, dieses nicht unbedingt mehrfach genutzt haben. Oft genug wurde ein günstiges Plastik-Zelt am Ende des Events einfach auf der Wiese stehen gelassen.

Überraschend viele Mehrweg-Zelte wurden so nach einem einzigen Einsatz entsorgt. Nach Schätzungen der Green Music Initiative blieb in vergangenen Festivalsommern fast jedes dritte Zelt stehen – und in Großbritannien ist es durchschnittlich sogar mehr als jedes zweite.

"In our case it's made from only cardboard which to a great percentage is old paper actually which is collected locally, then made locally."
Jan Portheine, Pappzelt-Startup Kartent

Viele von uns haben bisher möglicherweise angenommen, dass sie etwas Gutes tun, wenn sie ihr Zelt einfach stehen lassen. Sie glauben, dass lokale Wohltätigkeitsorganisationen nach Ende des Festivals die Zelte abbauen, mitnehmen und weiter benutzen. Aber die Besucher lassen meist viel mehr Zelte stehen, als die Organisationen benötigen, sagt unsere Reporterin Kerstin Ruskowski. Darum werden die Zelte dann entsorgt.

Plastik-Zelte, die liegen bleiben, werden meist verbrannt

Meist bestehen Plastik-Zelte aus vielen unterschiedlichen Materialien und können daher nicht recycelt werden. Das führt dazu, dass die meisten Zelte, die auf Festivals liegen bleiben, verbrannt werden.

"If you take an analysis of those two lifecycles you would need to reuse your tent 50 to 100 times to be more sustainable than a Kartent."
Jan Portheine, Pappzelt-Startup Kartent

Das Start-up Kartent aus den Niederlanden produziert Papp-Zelte – ein Produkt, das meist nur ein Festival lang hält. Allerdings ist der Vorteil bei diesen Papp-Zelten, dass die CO2-Bilanz wesentlich geringer ist, als die eines vergleichbaren Plastik-Zelts, so das Unternehmen. Den Gebrauchsgegenstand aus Plastik müsste man laut Kartent 50 bis 100 Mal nutzen, damit er nachhaltiger sei als ein Zelt aus Karton.

Pappe mit hoher Qualität wird recycelt

Zudem werden die Papp-Zelte am Ende eines Festivals nicht weggeworfen, sondern weiter verwertet – direkt vor Ort, in den Niederlanden. Das Start-up nutzt die Pappe der Zelte, um daraus Lampen, Stühle und Mülleimer zu fertigen, so einer der Gründer. Dass das durchaus vorstellbar ist, bestätigt auch der Experte für Kreislaufwirtschaft, Henning Wilts.

Man könne aus alter Pappe zwar keine hochwertige neue Pappe fertigen. Aber aufgrund unterschiedlicher Qualitätsgrade, die verschiedene Objekte haben, könne man immer noch etwas mit diesem Material anfangen, so der Ingenieur.

"In dem Zustand kann man die glaub ich nicht nochmal zu hochwertiger neuer Pappe machen. Aber es gibt da ja unterschiedliche Qualitätsgrade – und irgendwas damit anfangen kann man damit am Ende glaube ich immer noch."
Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Das Fazit unserer Reporterin Kerstin Ruskowski: Ein Einweg-Zelt aus Pappe ist nachhaltiger als ein einmalig genutztes, günstiges Zelt aus Plastik. Noch nachhaltiger ist es aber natürlich, ein robustes Zelt zu kaufen, dass man immer wieder verwenden kann.

Der biologisch abbaubare Einweg-Grill

Der Nachhaltigkeits-Check beim Bio-Einweg-Grill, der nicht aus Aluminium ist, fällt nicht ganz so gut aus, wie bei dem Papp-Zelt. Der Grill besteht zwar aus biologisch abbaubaren Materialien wie Bambus, Pappe oder Lavastein, die allerdings nicht recycelt werden und daher einfach im Müll landen. "Da ist die Frage, ob das sein muss - oder ob ich nicht auch einen normalen Grill mitnehmen kann oder einen Campingkocher", meint unsere Reporterin.

Eine Einweg- und eine Mehrweg-Flasche.
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Die CO2-Bilanz von Glasflaschen, die einen langen Weg zurücklegen müssen, fällt hoch aus. Sie sind nicht per se nachhaltiger als Plastikflaschen.
"Die Daumenregel ist: Sobald man sie weiter als 100 Kilometer fahren muss, ist der Aufwand für den Transport so hoch, dass man dann tatsächlich eher auf eine Einweg-Plastikflasche gehen würde,"
Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Plastikflasche versus Glasflasche

Auf den ersten Blick erscheint es vielleicht nahe liegend, dass eine Glasflasche immer nachhaltiger ist, als eine Plastikflasche, die wir nach einmaliger Nutzung entsorgen. Aber tatsächlich ist es so, dass die Glasflasche eine höhere CO2-Bilanz haben kann, wenn sie über 100 Kilometer transportiert werden musste, um zum Konsumenten zu gelangen. Eine "Daumenregel", die der Ingenieur Henning Wilts anwendet, um abschätzen zu können, ob ein Gegenstand eine ungünstige CO2-Bilanz hat.