Fremdenhass und Rassismus sind für Jan Böhmermann Gegenstand seiner Satire – auch in Österreich. Bei einem TV-Interview zeigt er, was er besonders gut kann.

Für Comedians und Satiriker gehört Provokation zum Tagesgeschäft – auch für Jan Böhmermann. Gerade fordert er Kanzler Sebastian Kurz und den österreichischen Nationalstolz mit der Ausstellung "Deuscthland#ASNCHLUSS#Östereich" und mit Interviews heraus.

Bei ORF2 sprach Jan Böhmermann in Bezug auf die Österreicher von acht Millionen Debilen und ihrem starken Wunsch nach autoritärer Führung. Der österreichische Anwalt Wolfgang List zeigte den Comedian daraufhin an. Grundlage der Klage ist das österreichische Strafgesetzbuch. Es verbietet mit Paragraph 248, sich in gehässiger Weise über die Republik Österreich lustig zu machen.

"Für jemanden wie Böhmermann, der ausgeprägte Antennen für Rechtspopulismus hat und gerne dagegen redet, ist der Tisch im Alpenländchen reich gedeckt."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Unser Reporter Christian Schmitt hat sich die Details des Falls angesehen. Die österreichische Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ sei für Jan Böhmermann ein gefundenes Fressen, sagt Christian. Die Regierung mit Beteiligung der rechtspopulistischen FPÖ böte dem Comedian mehr als genug Anlass für satirische Äußerungen. Außerdem zeige er so, dass sich der Ton der politischen Diskussion nach rechts verlagert habe. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das TV-Interview.

"Böhmermann hat ziemlich aufgedreht, hat gegen Österreichs Kanzler Kurz geschossen, hat sich darüber aufgeregt, wie der Ton in der politischen Diskussion immer weiter nach rechts rutscht."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Moderatorin Clarissa Stadler distanzierte sich im Anschluss an das TV-Interview von den Aussagen Jan Böhmermanns, verwies jedoch im gleichen Atemzug auf die Kunstfreiheit und darauf, dass Satire eben alles dürfe. Dennoch lässt sich ihre Distanzierung als ein vorauseilendes Nachgeben des Senders gegenüber rechtspopulistischer und nationalistischer Kritik deuten.

Die Klage des Anwalts dürfte Jan Böhmermann kaum abschrecken. In Deutschland ist der juristische Versuch wohl aussichtslos, auch dort hatte der österreichische Anwalt geklagt. In Österreich könnte Jan Böhmermann, falls es zur Anklage käme, zu einer eher niedrigen Geldstrafe verurteilt werden.

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