"Es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist was es ist, sagt die Liebe" – so dichtete Erich Fried über das große Gefühl, dem sich Eine Stunde Liebe zum Frühlingsanfang widmet. Moderne Formen der Liebesbeziehung werden in einem Comic analysiert, die schwedische Zeichnerin Liv Strömquist ist zu Gast.

Nach ihrem Comic "Der Ursprung der Welt", eine Kulturgeschichte der Vulva, beschäftigt sich Liv Strömquist jetzt mit dem "Ursprung der Liebe". Die Politikwissenschaftlerin und Feministin geht Mithilfe von schwarz-weißen Zeichnungen humorvoll Fragen zu Sexualität und Liebesbeziehungen nach. Dabei blickt sie auf die historische Entwicklung der Beziehung in westlichen Gesellschaften, nennt Erkenntnisse aus der Soziologie und der Psychoanalyse, aber auch aus der Popkultur und den Literaturwissenschaften.

"Die romantische Liebe ist die zerstörerischste Idee in der Geschichte des menschlichen Denkens."
Toni Morrison, Schriftstellerin

Im Comic geht Liv Strömquist auch auf den Wandel von Beziehungsmodellen in Europa ein. Im 19. Jahrhundert weichen arrangierte Ehen der Liebesheirat, die auf dem freien Markt verhandelt wird. Liv beschreibt dieses Konzept, und wie seither das sexuelle Eigentumsrecht - meist von Männern gegenüber Frauen – in Beziehungen funktioniert.

"Dass sexuelles Eigentumsrecht und Liebe zusammenfallen, wird in unserer Kultur als positiv und natürlich verstanden."
Liv Strömquist, Comic-Zeichnerin

Ebenfalls historisch ist die 200 Jahre alte Liebes-Utopie des Franzosen Charles Fourier. Sein Buch "Die Freiheit der Liebe" ist in einer Neuauflage erschienen, und es zeigt, dass der Gesellschaftskritiker ein früher Feminist war. Fourier fordert eine Frauenquote von 50 Prozent und will die Stellung der Frau in der Gesellschaft allgemein stärken. Er ist auch Gegner der Ehe und spricht sich für die polygame, freie Liebe aus.

"Was ist ein Liebespaar nach der heutigen Methode? Ein Individuum zu Zweit, welches das Glück für sich allein pachten will. Ein solches Paar ist mit einem Mann vergleichbar, der in seinem Keller die besten Weine der Welt lagert, aber sie stets alleine trinkt, ohne je einen Freund, Verwandten oder Nachbarn einzuladen."
Charles Fourier, französischer Gesellschaftskritiker​

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