Tatjana Richartz hat beim Theater Schauspieler mit Perücken ausgestattet. Das hat ihr Spaß gemacht - aber das Feedback echter Kunden ist viel intensiver.

In unserer Rubrik "Blind Date" hört Moderator Sebastian Sonntag ein typisches Geräusch aus dem Leben des unbekannten Gastes. Oft gibt das schon gute Hinweise, aber dieses Mal hatte er wirklich keine Ahnung. Wer hat auch schon mal gehört, wie Perücken gemacht werden?

Für Tatjana Richartz ist dieses Geräusch alltäglich. Sie war jahrelang für Theater und Fernsehen als Maskenbildnerin unterwegs, hat einen eigenen Friseursalon und ist Perückenmacherin. Davon gibt es nicht mehr viele in Deutschland. Haare bringen viel mehr unsere Persönlichkeit zum Ausdruck als Kleidung, meint Tatjana.

"Man sagt immer: Kleider machen Leute. Aber Haare machen Leute."
Tatjana Richartz, Perückenmacherin

Perücken hierzulande kommen heute meistens aus Asien und Indien. Sie aus Echthaar zu knüpfen, ist viel Handarbeit. Pro Perücke dauert das zwischen 80 und 180 Stunden. Am Anfang ihrer Perückenkarriere dachte Tatjana, dass sie alle Perücken selbst herstellen kann - "doch das war zeitlich gar nicht zu schaffen", sagt sie. Deshalb kauft sie hochwertige fertige Perücken und passt sie dann auf ihre Kunden an. Manchmal sei aber auch eine komplette Selbstanfertigung nötig.

Perücken-Haare müssen von Freiwilligen stammen

Beim Einkauf von Perücken ist es wichtig zu wissen, wo die Haare für die Perücke herkommen, sagt Tatjana. Denn echte Haare müssen entweder von Freiwilligen gespendet oder verkauft worden sein. In manchen Gegenden sei dieser Verkauf so freiwillig aber nicht - da werden dann vor allem Frauen mit einem Kleinstbetrag abgespeist, dafür, dass sie sich ihre langen Haare abrasieren lassen.

"Wenn eine Kundin von mir eine Perücke bekommen hat und damit zufrieden ist, nehmen wir uns auch schon mal in den Arm."
Tatjana Richartz, Perückenmacherin

Tatjana hat einen Meistertitel im Friseurhandwerk und als Maskenbildnerin beim Theater gearbeitet. Das hat ihr Spaß gemacht, sagt sie. Doch das Feedback sei in ihrem eigenen Friseursalon und Perückengeschäft viel direkter - zum Beispiel, wenn eine Person nach einer Krebsbehandlung die Haare verloren hat und von Tatjana eine gut sitzende Perücke bekommt. Manchmal, berichtet Tatjana, ist dann auch schon mal eine Umarmung drin, wenn die Kunden besonders zufrieden sind. Der Trick an guten Perücken ist ja: Man sieht nicht, dass es eine ist.

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