In Augsburg wird im September 2016 ein Mann von betrunkenen Polizisten in einem Schnellrestaurant erst rassistisch beleidigt und dann verprügelt. Der Fall wurde jetzt verhandelt - ein beteiligter Oberkommissar darf im Job bleiben. Der Fall ist nur einer von mehreren in den letzten Jahren. Hat die Polizei in Deutschland ein Rassismus-Problem?

In Augsburg wollte ein Mann in einem Schnellrestaurant etwas essen. Als betrunkene Polizisten den Laden betreten, setzen sie sich neben ihn. Es fallen die Worte: "Black man go home". Der Mann verlässt daraufhin das Restaurant, einige Polizisten folgen ihm, um ihn zu verprügeln. So geschehen am 21. September 2016.

Der Fall landet vor Gericht. Gegen einen der beteiligten Polizisten, einen Oberkommissar, gibt es jetzt zwar ein Disziplinarverfahren. Seinen Job aber darf er behalten. Vor dem Hintergrund aktueller Berichte über das rechte Netzwerk NSU 2.0 und mutmaßlicher Verbindungen zur Polizei in Hessen stellt sich die Frage: Wie groß ist das Problem von Rassismus in den Reihen der Polizei?

Fehlende Ergebungen zu Rassismus innerhalb der Polizei

"Um ehrlich zu sein, wissen wir das nicht genau", muss Rafael Behr zugeben, er ist Polizeilehrer und Soziologe in Hamburg. Denn es gibt keine speziellen Erhebungen dazu. Bislang, so Rafael Behr, scheint es nicht so viel Interesse daran zu geben, das zu wissen. 

"Offenbar gibt es noch nicht viel Interesse daran, es genau wissen zu wollen."
Rafael Behr, Polizeilehrer und Soziologe in Hamburg

Allerdings, sagt der Polizeilehrer, gibt es immer häufiger Informationen dazu, dass es das gibt. Und das sei insofern positiv, als dass sich das Thema aus dem Dunkelfeld herausbewege. Es würden sich immer mehr Menschen trauen, solche rassistischen Vorfälle anzuzeigen.

Dass bislang trotzdem nicht so genau hingeschaut worden ist beim Thema Rassismus und Gewalt bei der Polizei, liegt daran, dass gerade die Polizei eine hochmoralische Einrichtung ist, erklärt Rafael Behr. Fehlverhalten würde mit Scham vermieden. Deshalb habe man auch kein sonderliches Interesse daran, sowas an die große Glocke zu hängen.

"Rassismus und Gewalttätigkeit ist ein Fehlverhalten, wo die Polizisten das Gegenteil dessen tun, was sie eigentlich beruflich tun sollen."
Rafael Behr, Polizeilehrer und Soziologe in Hamburg, über Rassismus in der Polizei

Dass das mit der Ausbildung der Polizisten zusammenhängt, glaubt Rafael Behr nicht. Er sagt, dass in der Ausbildung Einiges in dem Bereich getan wird, allerdings – schränkt er ein – eher im formalen Bereich. Also in der Rechtskunde oder in den Politikvorlesungen, auch wenn es davon nicht so viele gibt. Er sieht die Ursache des Problems eher im Polizeialltag.

"Die Ausbildung scheint mir nicht das Problem zu sein. Tatsächlich ist es der Dienst, der die Leute verroht."
Rafael Behr, Polizeilehrer und Soziologe in Hamburg

In Augsburg kämen zwei Phänomene zusammen, die sonst eher getrennt seiend. Nämlich zum einen betrunken und gewalttätig sein und zum zweiten die rassistische Grundhaltung. "Das ist ein übles Gemisch", sagt der Polizeilehrer. Viele Kollegen und Kolleginnen empfinden diesen Polizisten gegenüber Fremdscham, sagt Rafael Behr. Als Helden würden sie nicht gefeiert. Der Polizist aus Augsburg bekommt übrigens eine Bewährungsstrafe, die allerdings liegt unterhalb von zwölf Monaten. Erst wenn diese Grenze überschritten ist, könne man Polizisten auch aus dem Dienst entfernen, erklärt Rafael Behr.

"Man kann nur hoffen, dass dieser Mann keinen Publikumskontakt mehr haben wird."
Rafael Behr, Polizeilehrer und Soziologe in Hamburg

Und diese Entscheidung liegt bei den Gerichten. Und da hat Rafael Behr das Gefühl, Gerichte seien doch sehr vorsichtig, diese Grenze zu überschreiten. Weil dann ja auch klar sei, dass damit eine berufliche Karriere zerstört wird. Trotzdem ist es natürlich schwierig, einen Polizisten weiter im Job zu halten, der als gewalttätig und rassistisch aufgefallen ist. Aber, so Rafael Behr, es gebe bei der Polizei auch viele Jobs, bei denen kein direkter Kontakt zu Menschen besteht.

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